Startseite > Lexikon > E-Mail, CRM & Automation > Hyperautomation

Bleistiftskizze: Roboterarm, Trichter, Zahnrad und Förderband, durch eine orange Kette verbunden, dahinter Person mit Klemmbrett, als Bild für Hyperautomation
E-Mail, CRM & Automation

Hyperautomation

Hyperautomation klingt nach einem Produkt, ist aber ein Ansatz: möglichst viele Abläufe finden, prüfen und mit mehreren Werkzeugen zusammen automatisieren.

Auch bekannt alsHyperautomatisierung

5 Min

Lesezeit

02.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Hyperautomation?

Automatisierst du einen Ablauf, ist das ein Workflow. Automatisierst du alles, was sich lohnt, und zwar geplant und mit mehreren Werkzeugen, nennt Gartner das Hyperautomation.

Das Analystenhaus beschreibt damit einen Ansatz: Eine Organisation findet, prüft und automatisiert möglichst viele Prozesse so schnell wie möglich. Dafür kombiniert sie Technologien wie Robotic Process Automation, Low-Code-Plattformen und KI. Die Arbeit reicht vom Erkennen und Analysieren über Gestalten und Automatisieren bis zum Messen und Neubewerten.

Den Begriff hat Gartner im Oktober 2019 bekannt gemacht, als Punkt seiner Top-10-Technologietrends für 2020. Der Kernsatz damals: „RPA alone is not hyperautomation.“ Ein Softwareroboter macht noch kein Programm.

Die Bausteine

Baustein

Aufgabe

Process Mining

Zeigt, wo Automatisierung lohnt

Workflow-Automatisierung

Verbindet Systeme nach festen Regeln

RPA

Bedient alte Software ohne Schnittstelle

IDP

Liest Dokumente aus

Low-Code

Senkt die nötigen Fachkenntnisse

KI

Übernimmt unstrukturierte Schritte

Der Punkt ist das Zusammenspiel. Ein Beispiel: Process Mining zeigt, dass Rechnungen im Eingang hängen. Intelligent Document Processing liest sie aus, ein Workflow prüft und leitet sie weiter, und RPA trägt sie in die alte Buchhaltung ein. Am Ende misst du, ob es wirklich schneller geht.

Was die Zahlen hergeben

Vorsicht bei den großen Beträgen. Gartner bezifferte den Markt für Software rund um Hyperautomation in einer Prognose von 2021 für 2022 auf 596,6 Milliarden US-Dollar. Die eigentlichen Kernwerkzeuge wie RPA, Low-Code und KI machten davon aber nur 30,2 Milliarden aus, also rund 5 %. Der Rest ist alle übrige Software, die irgendwie dazugezählt wurde.

Auch die oft zitierten 30 % niedrigeren Betriebskosten sind eine Prognose für 2024, kein Messwert. Gartner knüpfte sie außerdem an neu gestaltete Prozesse. Wer nur beschleunigt, was schon krumm läuft, bekommt das nicht.

Die Wirklichkeit in Deutschland sieht bescheidener aus. Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2025 rund 23 % der Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten KI. Von diesen setzten 26 % sie für die Automatisierung von Arbeitsabläufen oder Entscheidungen ein. Das sind grob 6 % aller kleinen Unternehmen.

Die Bremsen nennt die Statistik ebenfalls. Kleine Unternehmen, die KI erwogen, aber nicht eingeführt haben, nennen vor allem fehlendes Wissen (73 %), rechtliche Unklarheit (64 %) und Inkompatibilität mit ihren Systemen (46 %). Zu hohe Kosten kommen erst danach (33 %).

Abgrenzung zu RPA und KI-Agenten

RPA ist ein Werkzeug, Hyperautomation das Programm drumherum. Workflow-Automatisierung ist ein einzelner Ablauf mit festen Regeln, Hyperautomation betrachtet viele davon.

KI-Agenten entscheiden zur Laufzeit selbst über ihre Schritte. Sie können ein Baustein sein, ersetzen aber den Ansatz nicht. Gartner erwartet sogar, dass bis Ende 2027 über 40 % der Projekte mit agentischer KI eingestellt werden, wegen Kosten, unklarem Nutzen oder Risiken. Viele Fälle brauchen laut Gartner gar keinen Agenten.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Ein Tool für die Lösung halten

Ein RPA-Abo macht noch keine Strategie. Erst steht die Frage, welche Abläufe es wert sind. Dann kommt das Werkzeug.

Fehler 2 · Schlechte Prozesse beschleunigen

Ein Umweg wird durch Automatisierung nicht kürzer, du fährst ihn nur schneller. Räum den Ablauf auf, bevor du ihn automatisierst.

Fehler 3 · Betrieb und Messung vergessen

Wer pflegt die Automatisierungen? Wer merkt, wenn eine ausfällt? Ein Workflow ohne Fehlerbehandlung ist wie ein Auto ohne Bremsen. Fährt prima, bis es nicht mehr fährt.

Fehler 4 · Agenten einsetzen, wo Regeln reichen

Ist der Ablauf klar und immer gleich, reicht eine feste Regel. Die ist billiger, schneller und besser zu prüfen.

Was kleine Unternehmen davon mitnehmen

Ein Programm im Konzernmaßstab brauchst du nicht. Die Idee dahinter lässt sich aber kleiner nutzen, und das ist unsere Empfehlung:

  • Liste machen: Schreib zehn wiederkehrende Abläufe auf, mit Häufigkeit und Zeit pro Durchlauf.
  • Zwei auswählen: Nimm die häufigsten, etwa Lead-Übergabe oder Rechnungseingang.
  • Einfach bauen: Ein Tool wie n8n, Make oder Zapier plus ein gezielter KI-Schritt reicht oft.
  • Messen: Halte Zeit vorher und nachher fest, und prüf nach drei Monaten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hyperautomation und RPA?

RPA ist ein Werkzeug, das Software wie ein Mensch bedient. Hyperautomation ist der übergeordnete Ansatz, der RPA mit weiteren Technologien wie KI und Low-Code kombiniert. Gartner sagt ausdrücklich: RPA allein ist keine Hyperautomation.

Ist Hyperautomation dasselbe wie KI-Agenten?

Nein. KI-Agenten können ein Baustein sein. Hyperautomation beschreibt, wie ein Unternehmen Abläufe systematisch findet, prüft und automatisiert, egal mit welcher Technik.

Lohnt sich Hyperautomation für kleine Unternehmen?

Als großes Programm selten, als Denkweise schon. Automatisiere zwei, drei häufige Abläufe und miss das Ergebnis. Belastbare ROI-Zahlen für kleine Unternehmen gibt es bisher kaum.

Wer hat den Begriff Hyperautomation geprägt?

Das Analystenhaus Gartner. Im Oktober 2019 setzte es Hyperautomation auf seine Liste der Top-10-Technologietrends für 2020.

Womit fange ich an?

Mit einer Liste deiner wiederkehrenden Abläufe, nicht mit einem Tool. Nimm den Ablauf, der am häufigsten läuft und klare Regeln hat. Baue ihn einfach, und miss den Effekt.

Begriff teilenHat dir die Definition geholfen? Schick sie weiter.