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Bleistiftskizze: Hand gießt Wasser in das linke von zwei gleich gefüllten Gläsern, orange das zusätzliche Wasser über der Linie, als Bild für iROAS
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Incremental ROAS

iROAS

Der ROAS im Werbekonto sieht oft blendend aus. Der iROAS fragt härter nach: Wie viel Umsatz hätte es ohne die Anzeigen nicht gegeben?

Auch bekannt alsinkrementeller ROASIncremental Return on Ad Spend

4 Min

Lesezeit

04.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist der Incremental ROAS?

Dein Werbekonto meldet einen ROAS von 6: Für jeden Euro Werbung kamen 6 € Umsatz. Aber wie viele dieser Kunden hätten auch ohne Anzeige gekauft? Diese Frage beantwortet der Incremental ROAS (iROAS).

Google beschreibt den iROAS als zusätzlichen Umsatz je ausgegebenem Werbe-Euro. Zusätzlich heißt: verursacht, nicht nur zugeordnet. Um das zu messen, teilst du deine Zielgruppe in zwei Gruppen. Die eine sieht Werbung, die andere nicht. Die Differenz im Umsatz ist der Effekt deiner Werbung.

Die Gruppe ohne Werbung heißt Kontrollgruppe oder Holdout. Meta nennt solche Inkrementalitäts-Experimente den Goldstandard der Werbemessung.

Wie wird der iROAS berechnet?

Formel

iROAS = (Umsatz Testgruppe − Umsatz Kontrollgruppe) ÷ Werbekosten

Beispiel: 260.000 € Test, 230.000 € Kontrolle, 20.000 € Werbung → iROAS = 1,5

Woher du die Zahlen bekommst:

  • Lift-Studie der Plattform: Google Ads und Meta liefern Test- und Kontrollwerte direkt, Google zeigt den iROAS bei Conversion-Lift-Studien mit Conversion-Werten.
  • Eigener Geo-Test: Werbung in einigen Regionen pausieren, in vergleichbaren weiterlaufen lassen und die Umsätze aus dem Shop vergleichen.
  • Werbekosten: aus dem Werbekonto, für die Testgruppe im selben Zeitraum.

ROAS und iROAS: warum sie so weit auseinanderliegen

Kennzahl

Zählt

ROAS

jeden zugeordneten Umsatz

iROAS

nur den Mehrumsatz

Der Return on Ad Spend verlässt sich auf das Attributionsmodell. Klickt jemand auf deine Anzeige und kauft, zählt der Kauf, auch wenn er ohnehin gekauft hätte. Besonders bei Anzeigen auf den eigenen Markennamen und bei Retargeting ist der Unterschied groß.

Das bekannteste Beispiel ist eBay: Bei einem Test im Jahr 2012 schaltete das Unternehmen seine Anzeigen auf den eigenen Markennamen bei Yahoo und MSN ab. Ergebnis laut der Studie in Econometrica: kein messbarer kurzfristiger Nutzen. Die Besucher kamen einfach über die normalen Suchergebnisse.

Beispiel aus der Praxis

Rechenbeispiel · Onlineshop

Was das Werbekonto meldet

20.000 €

Werbekosten

120.000 €

zugeordneter Umsatz

ROAS = 120.000 ÷ 20.000 = 6

Sieht nach einem Selbstläufer aus.

Rechenbeispiel · Lift-Test

Was der Test zeigt

260.000 €

Umsatz Testgruppe

230.000 €

Umsatz Kontrollgruppe

iROAS = 30.000 ÷ 20.000 = 1,5

Nur ein Viertel des gemeldeten Effekts ist echt. Bei 40 % Marge liegt die Gewinnschwelle bei 2,5, die Kampagne verliert also Geld.

Die Zahlen sind ein ausgedachtes Beispiel. Sie zeigen aber das Muster: Die Gewinnschwelle für den iROAS ist 1 ÷ Bruttomarge. Bei 40 % Marge brauchst du also mindestens 2,5.

Wie du den iROAS misst

Google hat die Einstiegshürde im November 2025 deutlich gesenkt. Inkrementalitäts-Experimente, die früher über 100.000 US-Dollar kosten konnten, sind seitdem ab 5.000 US-Dollar möglich. Conversion Lift steht aber nicht für alle Google-Ads-Konten bereit.

  • Google Ads Conversion Lift: nutzer- oder geobasiert. Für belastbare Ergebnisse verlangt Google mindestens 150 Conversions in der Test- und 65 in der Kontrollgruppe.
  • Meta Conversion Lift: im Werbeanzeigenmanager, meist über den Meta-Ansprechpartner.
  • GeoLift: ein Open-Source-Werkzeug aus Metas Umfeld für eigene Regionen-Tests.
  • Ohne Tool: Markenanzeigen für einige Wochen pausieren und schauen, wie viel Umsatz wirklich fehlt.

Häufige Fehler

Fehler 1 · ROAS und iROAS gleichsetzen

Der Plattform-ROAS ist keine Wirkungsmessung. Eine große Feldstudie mit 15 Facebook-Experimenten (Gordon und andere, Marketing Science 2019) zeigte: Die üblichen Messmethoden kamen oft nicht auf dieselben Effekte wie echte Experimente.

Fehler 2 · Einen Punktwert für die Wahrheit halten

Der iROAS ist immer eine Schätzung. Googles Beispiel nennt einen iROAS von 2,2 mit einer Spanne von etwa 1,3 bis 3,5. Plane deinen Test lang genug, Google empfiehlt mindestens 14 Tage.

Fehler 3 · iROAS über 1 als Gewinn feiern

Der iROAS rechnet mit Umsatz, nicht mit Gewinn. Erst der Vergleich mit 1 ÷ Marge zeigt, ob sich die Werbung lohnt.

Fehler 4 · Einmal testen, für immer glauben

Wirkung verschiebt sich mit Saison, Konkurrenz und Kampagnen. Wiederhole wichtige Tests mindestens einmal im Jahr.

Wo du anfangen solltest

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ROAS und iROAS?

Der ROAS teilt den Umsatz, den das Werbekonto der Anzeige zuordnet, durch die Kosten. Der iROAS teilt nur den zusätzlichen Umsatz gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Werbung durch die Kosten. Er ist deshalb fast immer niedriger.

Welcher iROAS ist gut?

Einen allgemeinen Richtwert gibt es nicht. Entscheidend ist deine Gewinnschwelle: 1 geteilt durch deine Bruttomarge. Bei 40 % Marge muss der iROAS über 2,5 liegen, damit die Werbung Gewinn bringt.

Wie viel Budget brauche ich für einen Inkrementalitätstest?

Bei Google Ads sind Conversion-Lift-Studien seit November 2025 ab 5.000 US-Dollar möglich, wenn das Konto freigeschaltet ist. Ein einfacher Pausentest auf Markenanzeigen geht ganz ohne Zusatzbudget.

Warum ist mein iROAS so viel niedriger als der ROAS im Werbekonto?

Weil das Werbekonto auch Käufe mitzählt, die ohne Anzeige passiert wären, etwa von Stammkunden oder Leuten, die ohnehin nach deiner Marke suchen. Der iROAS zieht diese Käufe ab.

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