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Bleistiftskizze zum Begriff Infinite Scroll
Web, UX & Conversion

Infinite Scroll

Weiterscrollen, und es kommt immer mehr. Was bei Instagram süchtig macht, kann im Onlineshop Kunden und Google-Rankings kosten — wenn man es falsch baut.

Auch bekannt alsEndlos-ScrollEndless ScrollingUnendliches Scrollen

6 Min

Lesezeit

27.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Infinite Scroll?

Bei Infinite Scroll lädt eine Seite neue Inhalte automatisch nach, sobald du dich dem Ende näherst. Es gibt keine Seite 2, keinen „Weiter“-Knopf. Die Liste hört scheinbar nie auf.

Du kennst das von Instagram, TikTok, Facebook oder Pinterest. Laut Nielsen Norman Group wurde das Muster 2006 erfunden. Es passt am besten zu gleichartigen Einträgen, die man ohne festes Ziel durchstöbert.

Wann hilft Infinite Scroll — und wann schadet es?

Ein Feed ist eine Wundertüte, ein Shop ist ein Regal. Das ist der Kern. Wer einfach stöbert, freut sich über endlosen Nachschub. Wer etwas Bestimmtes sucht oder Produkte vergleichen will, verliert sich darin.

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Seiten mit wichtigem Footer

Die Nielsen Norman Group zählt die typischen Probleme auf: Nach dem Zurück-Button stehen Nutzer wieder am Anfang der Liste. Einzelne Einträge sind schwer wiederzufinden. Der Footer mit Kontakt, Impressum und Datenschutz ist kaum erreichbar. Dazu kommen Nachteile bei Barrierefreiheit, Ladezeit auf dem Handy und SEO.

Infinite Scroll und SEO

Hier liegt die größte Falle. Google scrollt nicht und klickt keine Knöpfe. Was nur beim Scrollen per JavaScript nachlädt, findet Google unter Umständen nie.

Google Search Central nennt deshalb klare Regeln:

  • Jeder Abschnitt bekommt eine eigene URL mit Seitenzahl, etwa ?page=2 — nicht als #-Anhang, den ignoriert Google.
  • Die Abschnitte sind mit echten Links verbunden, also normalen <a href>-Links, die Google folgen kann.
  • Die Adresszeile ändert sich beim Scrollen mit (über die History API des Browsers).
  • Jede Seite hat ihren eigenen Canonical Tag — nicht alles auf Seite 1 zeigen lassen.

Was Studien zeigen

Das Baymard Institute hat Pagination, „Mehr laden“ und Infinite Scroll auf über 50 großen Onlineshops getestet — eine ältere Studie von 2016, die bis heute zitiert wird. Ergebnis: Mit Infinite Scroll sehen sich Nutzer viel mehr Produkte an. Effizient ist das aber nur für die ersten 50 bis 150. Danach scrollten manche nur noch, ohne hinzusehen.

Am besten schnitt eine Mischung ab: erst automatisch nachladen, dann einen „Mehr laden“-Knopf zeigen. Baymards Richtwerte:

Seite

Empfehlung

Kategorie

10–30 Produkte, Knopf ab 50–100

Suche

25–75 Treffer, dann Knopf

Handy

15–30 Produkte, dann Knopf

Für Suchergebnisseiten sagt Baymard unmissverständlich: Infinite Scroll sollte dort nie eingesetzt werden. Und noch ein Befund aus derselben Studie: Mehr als 90 % der Shops mit „Mehr laden“ bauten den Zurück-Button falsch, die Nutzer landeten nicht an ihrer alten Stelle in der Liste.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Nachladen ohne eigene URLs

Alles lädt per JavaScript in eine einzige Seite. Für Besucher sieht es gut aus, für Google endet der Shop nach den ersten 24 Produkten.

Fehler 2 · Der Zurück-Button wirft an den Anfang

Jemand scrollt 80 Produkte weit, klickt eins an, geht zurück — und steht wieder ganz oben. Danach scrollt kaum einer noch einmal so weit. Abhilfe: Position und Seitenzahl in der URL merken.

Fehler 3 · Der Footer ist unerreichbar

Kontakt, Impressum und Datenschutz verschwinden immer wieder, kurz bevor man sie erreicht. Das Plugin Jetpack für WordPress schaltet deshalb von selbst auf einen Knopf um, wenn im Footer Widgets stehen.

Fehler 4 · Mehr Klicks mit mehr Umsatz verwechseln

Mehr gesehene Produkte heißt nicht mehr Käufe. Wer nur noch durchwischt, entscheidet sich nicht. Miss den Umsatz, nicht die Scrolltiefe.

Was ist die bessere Lösung?

Für die meisten Websites von kleinen und mittleren Unternehmen ist die Antwort einfach: „Mehr laden“ mit eigenen Seiten-URLs. Damit bekommst du das Bequeme vom Endlos-Scroll, ohne den Footer, den Zurück-Button und Google zu opfern.

  • WordPress mit Elementor Pro: Das Loop Grid bietet die Optionen „Load on click“ und „Infinite Scroll“ — nimm die erste.
  • Shopify: Seiten laufen über den Parameter ?page=; ob dein Theme nachlädt, legt das Theme oder eine App fest.
  • Blog: Klassische Pagination reicht völlig. Niemand will Artikel endlos durchwischen.

Häufige Fragen

Ist Infinite Scroll schlecht für SEO?

Nicht zwingend. Es wird zum Problem, wenn Inhalte nur beim Scrollen per JavaScript nachladen. Gibt es für jeden Abschnitt eine eigene URL mit Seitenzahl, echte Links zwischen den Abschnitten und eine mitlaufende Adresszeile, kann Google alles finden.

Was ist besser im Onlineshop: Pagination, „Mehr laden“ oder Infinite Scroll?

Laut Baymard Institute schneidet eine Mischung am besten ab: erst automatisch nachladen, nach 50 bis 100 Produkten einen „Mehr laden“-Knopf. In Suchergebnissen sollte es gar kein Infinite Scroll geben.

Ist Infinite Scroll barrierefrei?

Nur mit Aufwand. Für Tastatur- und Screenreader-Nutzer braucht es Sprungtasten an das Ende der Liste und Hinweise beim Nachladen. Das W3C beschreibt dafür ein eigenes Muster namens Feed. Ein „Mehr laden“-Knopf ist meist einfacher zugänglich.

Wird Infinite Scroll in der EU verboten?

Nein, es gibt kein allgemeines Verbot. Die EU-Kommission hat 2026 aber vorläufig festgestellt, dass das süchtig machende Design von TikTok sowie von Instagram und Facebook gegen den Digital Services Act verstößt — Infinite Scroll ist dabei ausdrücklich genannt. Das betrifft sehr große Plattformen, nicht deinen Shop.

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