Was ist Single Sign-on?
Morgens einmal bei Microsoft 365 anmelden, und danach öffnen sich CRM, Projekttool und Chat ohne weiteres Passwort. Das ist Single Sign-on (SSO). Das BSI übersetzt es schlicht mit „Einmalanmeldung“.
Dahinter steckt ein zentraler Anbieter, der Identity Provider. Er prüft, wer du bist. Die anderen Anwendungen prüfen dein Passwort nicht selbst, sondern vertrauen seiner Bestätigung. Technisch läuft das meist über die Standards SAML oder OpenID Connect.
SSO begegnet dir in zwei Welten:
- Im Team: Mitarbeitende melden sich über Microsoft Entra ID, Google Workspace oder Okta an und kommen damit in alle Firmen-Tools.
- Bei Kunden: Besucher deiner Website registrieren sich mit „Mit Google anmelden“ oder „Mit Apple anmelden“. Das nennt man auch Social Login.
Was SSO für deine Website bringt
Jedes Registrierungsformular ist eine Hürde. Beim Online-Shopping haben laut Baymard Institute 18 % der US-Käufer schon einen Kauf abgebrochen, weil sie ein Konto anlegen sollten. Ein Login per Google-Konto nimmt diese Hürde fast ganz weg.
Case A · Community
Reddit führt „Mit Google anmelden“ ein
+50–60 %
Registrierungen über den Button
+90 %
mit One Tap am Desktop
Gesamte Conversion bei Anmeldungen +185 %
Fallstudie von Google ohne Datum und Messzeitraum. Vorher brachen rund 30 % bei der Wahl des Benutzernamens ab.
Case B · Plattform
Pinterest mit Google One Tap
+47 %
Registrierungen Web
+126 %
Registrierungen Android
Umsetzung in wenigen Wochen
Ebenfalls Fallstudie von Google. Große Plattformen, kein KMU-Shop, also als Richtung lesen, nicht als Zusage.
Dazu kommt der Frust mit Passwörtern. In einer Umfrage der FIDO Alliance unter 10.000 Verbrauchern in zehn Ländern hatten 42 % im letzten Monat einen Kauf abgebrochen, weil sie ihr Passwort vergessen hatten.
Was SSO für dein Team bringt
- Weniger Passwörter: Ein starkes Passwort plus zweiter Faktor statt zwanzig wiederverwendeter.
- Sauberer Abschied: Verlässt jemand das Team, sperrst du ein Konto, und alle Tools sind zu.
- Mehr Überblick: Der Identity Provider zeigt, wer wann wo angemeldet war.
Teuer muss das nicht sein. Schon die kostenlose Stufe von Microsoft Entra ID wirbt mit unbegrenztem SSO. Teurer wird es oft beim Tool selbst: HubSpot bietet SSO zum Beispiel erst ab der Professional-Stufe an.
Der Haken: ein Schlüssel für alle Türen
Das BSI bringt es auf den Punkt: Ist der zentrale Account geknackt, sind alle Accounts geknackt. SSO macht also nicht automatisch sicherer, es verlegt die Verantwortung an eine Stelle. Die muss dann richtig gut gesichert sein.
Wie wichtig das ist, zeigt der Verizon Data Breach Investigations Report 2025: Missbrauchte Zugangsdaten waren mit 22 % der häufigste erste Angriffsweg bei Datenpannen. Ohne Multi-Faktor-Authentifizierung am zentralen Konto ist SSO deshalb keine gute Idee.
Beim Social Login kommt der Datenschutz dazu. Das BSI weist darauf hin, dass Anbieter womöglich Daten über Nutzer austauschen, und rät, Logins über Dritte auf wenige Dienste zu beschränken.
Häufige Fehler
Fehler 1 · SSO ohne zweiten Faktor
Der zentrale Login ist das wertvollste Konto im ganzen Unternehmen. Ohne MFA lädst du Angreifer zum Komplettpaket ein.
Fehler 2 · SSO mit OAuth verwechseln
OAuth regelt, worauf eine App zugreifen darf, etwa auf deinen Kalender. Die eigentliche Anmeldung übernimmt OpenID Connect, das darauf aufsetzt.
Fehler 3 · Nur Social Login anbieten
Nicht jeder will sein Google-Konto mit deinem Shop verknüpfen. Und fällt der Anbieter aus, kommt niemand rein. Biete immer einen zweiten Weg an, etwa E-Mail mit Code oder einen Passkey.
Wann sich SSO für dich lohnt
- Website mit Kundenkonto: „Mit Google anmelden“ zusätzlich zum normalen Login testen und die Registrierungsrate vorher und nachher vergleichen.
- Team ab ein paar Leuten: Habt ihr Microsoft 365 oder Google Workspace, ist der Identity Provider schon da. Prüft, welche Tools ihn unterstützen.
- Beim Tool-Kauf: Frag, ob SSO im gewünschten Tarif enthalten ist.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen SSO und OAuth?
SSO ist das Ziel, einmal anmelden und viele Dienste nutzen. OAuth 2.0 regelt nur den Zugriff einer App auf Daten. Für die Anmeldung selbst sorgen SAML oder OpenID Connect.
Ist Single Sign-on sicher?
So sicher wie das zentrale Konto. Mit starkem Passwort und Multi-Faktor-Authentifizierung ist SSO oft sicherer als viele einzelne Passwörter. Ohne diesen Schutz ist es ein Generalschlüssel für Angreifer.
Bringt „Mit Google anmelden“ mehr Registrierungen?
Bei großen Plattformen wie Reddit und Pinterest deutlich, laut Fallstudien von Google. Für deinen Shop gilt: testen. Die Wirkung hängt davon ab, wie viele deiner Besucher ein Google-Konto nutzen und es verknüpfen wollen.
Was kostet SSO für ein kleines Team?
Der Identity Provider ist oft schon vorhanden oder günstig, Microsoft Entra ID hat eine kostenlose Stufe mit SSO. Teurer sind häufig die Tarife der Tools, die SSO erst ab einer höheren Stufe anbieten.
Brauche ich mit SSO noch Multi-Faktor-Authentifizierung?
Ja, unbedingt. SSO bündelt alle Zugänge an einer Stelle. Genau diese Stelle sicherst du mit einem zweiten Faktor ab.