Was ist Terminologiemanagement?
Im Shop steht „Lieferzeit“, in der Mail „Versanddauer“, im Vertrag „Leistungsfrist“. Meint ihr dasselbe? Deine Kunden wissen es nicht. Terminologiemanagement räumt genau das auf.
Es legt fest, welche Benennung für welche Sache gilt. Das Ergebnis liegt zentral an einem Ort, und alle kommen dran. Laut DIN 2342:2011 geht es um das Erfassen, Verarbeiten, Pflegen und Bereitstellen von terminologischen Daten.
Der Kern ist simpel: Ein Eintrag gehört zu einer Sache, nicht zu einem Wort. Zu jedem Begriff stehen die erlaubte Benennung, die zu meidenden Varianten und eine kurze Definition.
Wie groß ist das Problem wirklich?
Größer, als die meisten denken. Die tekom hat 2015 Unternehmen befragt, 504 Antworten wurden ausgewertet, die meisten aus der Industrie. Es geht also vor allem um Technik und Produkte, nicht um Werbetexte.
Befund
Anteil
Uneinheitliche Wörter im Haus
65 %
Marketing vergibt Benennungen
62 %
Vertrieb vergibt Benennungen
35,5 %
Großer Nutzen für die Qualität
86,5 %
Spannend ist die zweite Zeile: In 62 % der Unternehmen erfindet das Marketing mit. Entwicklung und Technische Dokumentation tun es noch häufiger. Wenn so viele Abteilungen Namen vergeben, laufen die Wörter zwangsläufig auseinander.
Was kostet das?
Vor allem Zeit. Der Industrieverband ZVEI rechnet in seinem Leitfaden mit 15 Minuten je Begriff. Das sind grobe Richtwerte, keine Messung.
Case A · Industrie
Modellrechnung des ZVEI
2.000
Begriffe
500 h
Aufbau
Bei einer Person sind das rund sieben Monate.
Nur für die Ausgangssprache. Jede weitere Sprache kommt obendrauf.
Case B · KMU
Eigene Beispielrechnung
200
Begriffe
50 h
Aufbau
200 × 15 Minuten = 50 Stunden.
Gerechnet nach dem ZVEI-Ansatz. Verteilt auf ein Quartal ist das machbar.
Im großen ZVEI-Modell rechnet sich das nach rund drei Jahren. Zahlen für kleine Teams oder Marketing-Abteilungen gibt es nicht. Ich würde deshalb klein starten und nicht lange rechnen.
Warum das mit KI wichtiger wird
Viele kippen ein Glossar in den Prompt und halten das Thema für erledigt. Eine kleine Studie aus Heidelberg (Šorak, 2025) zeigt das Gegenteil: ChatGPT (GPT 5.0) und Gemini (2.5 Flash) hielten sich beim Übersetzen nur in rund 71 bis 72 % der Fälle an die vorgegebenen Begriffe.
Das Korpus war sehr klein, die Autorin sagt das selbst. Die Richtung reicht trotzdem für eine Regel: Glossar rein, Prüfung nicht raus. Besonders anfällig sind Wörter mit einer naheliegenden Alternative.
Der Anbieter Kaleidoscope wirbt deshalb mit Terminology-Augmented Generation. Dabei holt das Sprachmodell gezielt Einträge aus einer Terminologiedatenbank. Die Autoren sehen Vorteile gegenüber dem Glossar-Ansatz, verkaufen aber selbst so ein Produkt.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Vokabelliste statt Begriffe
Wortpaare ohne Definition lösen keine Mehrdeutigkeit. DIN 19460 warnt ausdrücklich davor, sich an einer Vokabelliste zu orientieren. „Schraube“ wird je nach Bauteil zu „screw“ oder „bolt“.
Fehler 2 · Erst beim Übersetzen aufräumen
Das Chaos entsteht schon im Deutschen. Wer es dort nicht löst, vervielfacht es mit jeder Sprache.
Fehler 3 · Festlegung bleibt in der Abteilung
Der ZVEI beschreibt es so: Die Kenntnis endet oft schon an der Abteilungsgrenze. Ein Eintrag, den niemand findet, hilft keinem.
Fehler 4 · Keine verbotenen Wörter festlegen
„Wir sagen Kundenkonto“ reicht nicht. Halte auch fest, was ihr nicht mehr sagt. Sonst bleibt alles beim Alten.
So fängst du an
- Texte sammeln: Website, Angebote, Support-Mails.
- Streitfälle finden: Wo heißt dieselbe Sache anders?
- Entscheiden: erlaubtes Wort, verbotene Varianten, ein Satz Definition.
- Veröffentlichen: Eine Tabelle in Google Sheets reicht am Anfang.
- Anbinden: Übergib die Liste an DeepL-Glossare und in deine KI-Anweisungen.
- Pflegen: Eine Person ist zuständig.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Terminologiemanagement und Terminologiearbeit?
Terminologiearbeit ist der Oberbegriff und reicht von der Planung bis zur Verbreitung. Terminologiemanagement meint nach DIN 2342:2011 den Teil, der Daten erfasst, pflegt und bereitstellt. In der Praxis werden beide Wörter oft gleich benutzt, auch vom ZVEI.
Was ist der Unterschied zwischen Glossar und Terminologiedatenbank?
Ein Glossar ist meist eine einfache Wortliste. Eine Terminologiedatenbank hält je Begriff die Definition, erlaubte und verbotene Benennungen und Sprachen fest. Für den Start reicht das Glossar, wenn eine Definition dabeisteht.
Lohnt sich das für kleine Unternehmen?
Ja, aber in klein. Belastbare KMU-Zahlen gibt es nicht. Eine Tabelle mit 30 Begriffen kostet dich rund siebeneinhalb Stunden und spart Diskussionen bei jedem Text.
Wie viel Aufwand macht ein Eintrag?
Der ZVEI rechnet grob mit 15 Minuten je Begriff. Das ist ein Richtwert aus der Industrie. Die reine Eingabe geht schneller, die Abstimmung im Team dauert länger.
Halten sich ChatGPT und Co. an ein Glossar?
Nicht verlässlich. In einer kleinen Studie von 2025 übernahmen ChatGPT und Gemini nur rund 71 bis 72 % der vorgegebenen Begriffe. Prüf wichtige Texte deshalb immer gegen die Liste.