Was ist der Toxic Score?
Der Toxic Score ist eine Kennzahl, die SEO-Tools für einzelne Backlinks berechnen. Bekannt ist er vor allem aus dem Backlink Audit von Semrush. Er soll dir zeigen, welche Links auf deine Website vermutlich schädlich oder manipulativ sind.
Semrush bewertet dafür jede verlinkende Seite auf einer Skala von 0 bis 100. Niedrig ist gut, hoch ist verdächtig. Der Wert setzt sich laut Semrush aus mehr als 45 sogenannten Toxic Markers zusammen, etwa Links aus Linknetzwerken oder von Seiten ohne echten Traffic. Wie die Marker gewichtet sind, verrät Semrush nicht.
Andere Tools gehen anders vor. Moz bewertet mit dem Spam Score ganze Domains statt einzelner Links. Ahrefs verzichtet ganz auf einen Toxic Score und schreibt in seiner Hilfe: Keine einzelne Metrik entscheidet, ob ein Link manipulativ ist.
Wie Semrush die Werte einordnet
Neben dem Wert pro Link zeigt Semrush eine Gesamteinstufung für deine Domain. Sie hängt am Anteil der Links, die das Tool als toxisch einstuft:
Anteil toxischer Links
Einstufung
unter 3 %
Low
3 bis 9 %
Medium
über 10 %
High
In einem Leitfaden von 2023 rät Semrush, Links ab einem Toxic Score von 60 genauer anzusehen. Im selben Text warnt Semrush aber: Wer unnötig Links entwertet, kann seinen Rankings ernsthaft schaden. Die Zahl ist also ein Filter für die Prüfung von Hand, kein Auftrag zum Löschen.
Was Google zu toxischen Links sagt
Google spricht nicht von toxischen Links, sondern von Link-Spam: Links, die vor allem gesetzt werden, um Rankings zu manipulieren. Seit dem Link-Spam-Update im Dezember 2022 nutzt Google dafür sein KI-System SpamBrain. Es soll die Wirkung unnatürlicher Links neutralisieren, also einfach ignorieren.
Deshalb ist Googles Rat zum Disavow-Tool so zurückhaltend. Laut Search-Console-Hilfe solltest du Links nur entwerten, wenn beides zutrifft:
- Du hast eine erhebliche Zahl an Spam-, künstlichen oder minderwertigen Links auf deine Seite.
- Diese Links haben eine manuelle Maßnahme ausgelöst oder werden das wahrscheinlich tun.
In den meisten Fällen, schreibt Google, kann es selbst einschätzen, welchen Links es vertraut. Mueller nannte Disavow im April 2025 ausdrücklich „keinen Teil der normalen Website-Pflege“. Er würde es nur bei einer manuellen Spam-Maßnahme nutzen.
Was Disavow nach Tool-Liste bringt
Ahrefs hat es 2024 an der eigenen Website ausprobiert. Das Team entwertete alle Links auf drei Blogartikel, die ein bekanntes SEO-Tool als toxisch oder möglicherweise toxisch markiert hatte.
Test · Ahrefs 2024
Disavow der „toxischen“ Links auf drei Artikel
129
entwertete URLs
−7,1 %
Traffic nach 20 Tagen
Kein Gewinn, eher leichter Verlust
Kleine Stichprobe, kurzer Zeitraum, danach kam ein Core Update. Kein Beweis, aber ein deutlicher Hinweis.
Das Fazit von Ahrefs: Blindes Disavowen nach Tool-Liste bringt wahrscheinlich wenig bis gar nichts. Schon 2021 hatte ein Ahrefs-Mitarbeiter einmal alle Links auf dieselben Artikel entwertet. Danach brach der Traffic deutlich ein.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Den Tool-Wert für Googles Urteil halten
Ein roter Toxic Score heißt nur: Das Tool findet Merkmale, die oft bei Spam vorkommen. Ob Google den Link ignoriert, abwertet oder gut findet, weiß das Tool nicht.
Fehler 2 · Disavow als monatliche Routine
Jeden Monat die neuen roten Links in die Disavow-Datei? Das ist Arbeit ohne Nutzen. Mueller nannte das auf Bluesky Ende 2024 eine Zeitverschwendung, für die man auch noch bezahlt.
Fehler 3 · Alles auf einmal entwerten
Wer bei einer manuellen Maßnahme einfach alle Backlinks in die Datei kippt, wertet auch gute Links ab. Google sagt dazu deutlich: Blind alle Backlinks einzutragen gilt nicht als ernsthafter Versuch, das Problem zu lösen.
Fehler 4 · Skalen verwechseln
Beim Toxic Score von Semrush ist niedrig gut. Beim Authority Score von Semrush und bei der Domain Authority von Moz ist hoch gut. Wer zwei Spalten im Export verwechselt, sortiert genau die falschen Links aus.
So gehst du mit toxischen Links um
- Search Console prüfen: Gibt es unter „Manuelle Maßnahmen“ einen Eintrag? Nein? Dann ist meist nichts zu tun.
- Muster suchen statt Einzellinks: Hast du selbst Links gekauft oder getauscht? Das ist das eigentliche Risiko.
- Bei einer manuellen Maßnahme: Links aus der Search Console laden, Betreiber um Entfernung bitten, nur den Rest entwerten, dann die Überprüfung beantragen.
- Disavow-Datei sauber halten: eine Textdatei, ein Eintrag pro Zeile, „domain:“ für ganze Domains, höchstens 100.000 Zeilen und 2 MB.
Häufige Fragen
Schaden toxische Backlinks meinem Ranking?
In aller Regel nicht. Google ignoriert unnatürliche Links größtenteils von selbst, seit 2022 mit dem System SpamBrain. Gefährlich wird es vor allem, wenn du selbst Links gekauft oder getauscht hast und eine manuelle Maßnahme droht.
Ab welchem Toxic Score sollte ich Links disavowen?
Es gibt keinen Grenzwert, ab dem das automatisch sinnvoll ist. Semrush nennt 60 als Schwelle zum genaueren Hinsehen. Google empfiehlt Disavow nur bei vielen Spam-Links, die eine manuelle Maßnahme ausgelöst haben oder auslösen dürften.
Brauche ich das Disavow-Tool überhaupt?
Die meisten Websites nicht. Google nennt es ein fortgeschrittenes Werkzeug, das bei falschem Einsatz der Sichtbarkeit schaden kann. Wichtig wird es, wenn in der Search Console eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links steht.
Was ist der Unterschied zwischen Toxic Score und Spam Score?
Der Toxic Score von Semrush bewertet einzelne verlinkende Seiten über Dutzende Marker. Der Spam Score von Moz bewertet ganze Domains danach, wie ähnlich sie Seiten sind, die Google abgestraft hat. Beides sind Tool-Schätzungen.
Kann ein Konkurrent mir mit Spam-Links schaden?
Das ist die Sorge hinter Negative SEO. Google betont, dass es die meisten solcher Links selbst neutralisiert. Bekommst du trotzdem eine manuelle Maßnahme, ohne selbst etwas getan zu haben, ist genau dann das Disavow-Tool der richtige Weg.