Was ist ein Zeitraffer?
Stell die Kamera hin, lass sie alle fünf Sekunden ein Foto machen und spiel die Fotos danach als Video ab. Plötzlich rasen die Wolken über den Himmel und ein Messestand wächst in Sekunden aus dem Boden. Das ist ein Zeitraffer, englisch Timelapse.
Nikon beschreibt die Funktion im Kamerahandbuch so: Die Kamera erstellt stumme Filme aus Fotos, die automatisch in einem gewählten Intervall aufgenommen werden. Sony definiert das Intervall genau: die Zeit vom Beginn einer Belichtung bis zum Beginn der nächsten.
Wie viele Fotos brauchst du?
Bevor du die Kamera aufstellst, rechnest du rückwärts — vom fertigen Clip zur Aufnahmedauer.
Aufnahmedauer
Aufnahmedauer = Cliplänge × Bildrate × Intervall
Beispiel: 10-Sekunden-Clip bei 25 Bildern pro Sekunde und 5 s Intervall → 250 Fotos → 20 Minuten 50 Sekunden aufnehmen
10 s Clip, 5 s Intervall
Aufnahme
24 fps · 240 Fotos
20 Min.
25 fps · 250 Fotos
20 Min. 50 s
30 fps · 300 Fotos
25 Min.
Wie stark der Clip rafft, ergibt sich aus Intervall mal Bildrate: 5 Sekunden × 25 = 125-fach schneller. Die Kamerahersteller rechnen genauso. Nikon nennt im Handbuch als Beispiel: 48 Bilder ergeben bei 24 Bildern pro Sekunde etwa zwei Sekunden Film.
Welches Intervall passt?
Je schneller sich das Motiv bewegt, desto kürzer das Intervall. GoPro gibt im Handbuch diese Richtwerte:
Motiv
Intervall
Sport, Radfahren
0,5–2 s
Belebte Straße
2 s
Wolken, Außenszenen
5–10 s
Bauarbeiten
1 Min. – 1 Std.
Case A · Baustelle
Eine Woche Bauphase
30 Min.
Intervall
336
Fotos
336 ÷ 30 fps ≈ 11 Sekunden Clip
Genug für ein Reel. Wer die Nächte rausschneidet, bekommt einen ruhigeren Lauf.
Case B · Messestand
Acht Stunden Aufbau
20 s
Intervall
1.440
Fotos
1.440 ÷ 25 fps ≈ 58 Sekunden Clip
Mit 5 s Intervall wären es fast vier Minuten — für Social Media viel zu lang.
Zeitraffer, Hyperlapse, TimeWarp
Beim klassischen Zeitraffer steht die Kamera fest. Bewegt sie sich dabei durch den Raum, heißt das Hyperlapse. Forscher von Microsoft beschrieben 2014 Hyperlapse-Videos als Zeitraffer mit sanft bewegter Kamera.
GoPro nennt seinen stabilisierten Zeitraffer in Bewegung TimeWarp. Für Aufnahmen bei Dunkelheit gibt es Night Lapse, das Belichtung und Intervall selbst anpasst. Auch iPhones haben einen Zeitraffer-Modus, ab der iPhone-12-Serie zusätzlich mit Nachtmodus auf dem Stativ.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Belichtung länger als das Intervall
Belichtet die Kamera 4 Sekunden bei 3 Sekunden Intervall, gerät der Takt durcheinander. Die Software LRTimelapse empfiehlt, die längste Belichtung 2 bis 3 Sekunden kürzer als das Intervall zu halten.
Fehler 2 · Flackern durch Automatik
Misst die Kamera jedes Bild neu, springt die Helligkeit von Foto zu Foto. Canon warnt vor deutlichem Flackern bei flackerndem Licht und bietet an, die Belichtung des ersten Bilds festzuhalten. Stell Belichtung, Weißabgleich und Fokus auf manuell.
Fehler 3 · Intervall falsch zum Motiv
Zu kurz, und der Clip wird endlos lang. Zu lang, und Bewegungen springen. Rechne vorher, wie lang der fertige Clip werden soll.
Fehler 4 · Personen vergessen
Eine Baustellenkamera, die tagelang Menschen filmt, verarbeitet personenbezogene Daten. Wähl Winkel und Abstand so, dass niemand erkennbar ist, oder informiere die Beteiligten vorher.
So drehst du deinen ersten Zeitraffer
- Cliplänge festlegen und Aufnahmedauer ausrechnen.
- Kamera fest montieren — Stativ, Klemme, nichts darf wackeln.
- Alles manuell stellen: Belichtung, Fokus, Weißabgleich.
- Strom und Speicher prüfen — lange Aufnahmen brauchen Netzteil oder Powerbank.
- Nachbearbeiten: Bildfolge in Lightroom, LRTimelapse oder DaVinci Resolve zum Video machen.
Häufige Fragen
Wie viele Fotos brauche ich für 10 Sekunden Zeitraffer?
Bei 25 Bildern pro Sekunde 250 Fotos, bei 30 Bildern pro Sekunde 300. Wie lange du dafür aufnehmen musst, hängt vom Intervall ab: Bei 5 Sekunden sind es gut 20 Minuten.
Was ist der Unterschied zwischen Zeitraffer und Hyperlapse?
Beim Zeitraffer steht die Kamera fest. Beim Hyperlapse bewegt sie sich durch den Raum, und die Software glättet die Bewegung. GoPro nennt das TimeWarp.
Kann ich beim iPhone das Intervall einstellen?
Im eingebauten Zeitraffer-Modus nicht, das iPhone regelt das automatisch. Wer das Intervall selbst wählen will, braucht eine Kamera-App mit Intervall-Funktion oder eine Kamera.
Warum flackert mein Zeitraffer?
Meist, weil die Kamera Belichtung oder Weißabgleich bei jedem Bild neu misst, oder weil Kunstlicht flackert. Stell alles auf manuell. Nachträglich helfen Deflicker-Werkzeuge wie in LRTimelapse oder DaVinci Resolve Studio.
Welches Intervall für einen Sonnenuntergang?
Meist 3 bis 10 Sekunden. Weil es dabei immer dunkler wird, wird die Belichtung länger — achte darauf, dass sie kürzer bleibt als das Intervall. Für den Übergang von Tag zu Nacht gibt es Assistenten wie in LRTimelapse.