Was ist Copyleft?
Du baust für einen Kunden eine Website auf einem WordPress-Theme und passt den Code an. Wem gehört das Ergebnis, und was musst du dem Kunden mitgeben? Hier kommt Copyleft ins Spiel. Die Free Software Foundation beschreibt es als Methode, ein Programm oder anderes Werk frei zu machen und alle veränderten Fassungen ebenfalls frei zu halten.
Der Name ist ein Wortspiel auf Copyright. Technisch nutzt Copyleft das Urheberrecht: Der Urheber räumt jedem weitreichende Nutzungsrechte ein, knüpft sie aber an eine Bedingung. Wer das Werk weitergibt, verändert oder nicht, muss dieselben Freiheiten weitergeben. Bei einem gemeinfreien Werk könnte dagegen jeder eine geschlossene Fassung daraus machen.
Stark, schwach, permissiv: die wichtigsten Lizenzen
Lizenz
Was sie verlangt
GPL
ganzes abgeleitetes Werk unter GPL
AGPL
wie GPL, auch bei Nutzung übers Netz
LGPL, MPL
nur die Bibliothek bzw. Datei
CC BY-SA
Bearbeitungen unter gleicher Lizenz
MIT, Apache
kein Copyleft, nur Hinweis
Starkes Copyleft hat die GNU GPL. Nach Version 3 musst du das gesamte Werk als Ganzes unter dieser Lizenz weitergeben. Die AGPL schließt eine Lücke: Wer eine veränderte Fassung über das Netz anbietet, muss den Nutzern den Quellcode anbieten (§ 13 AGPLv3).
Schwaches Copyleft gilt nur für einen Teil. Die LGPL ist laut FSF ein Kompromiss für Bibliotheken. Die Mozilla Public License 2.0 wirkt auf Dateiebene: Neue Dateien ohne MPL-Code dürfen geschlossen bleiben. Permissive Lizenzen wie MIT verlangen nur, dass der Lizenzhinweis erhalten bleibt.
Wo Copyleft dir im Marketing begegnet
WordPress steht unter der GPL in Version 2 oder später. WordPress.org sieht Themes und Plugins als abgeleitete Werke, die die GPL erben, und räumt selbst eine Grauzone ein. Für Themes im offiziellen Verzeichnis gilt: Alles im ZIP, auch Bilder und Daten, muss GPL-kompatibel sein. Das ist die Auffassung der Projektbetreiber, kein Gerichtsurteil.
Wikipedia-Texte stehen unter CC BY-SA 4.0 und der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Du darfst sie auch kommerziell nutzen, musst aber den Namen nennen, die Lizenz verlinken und Änderungen kennzeichnen. Bearbeitest du den Text, steht deine Fassung wieder unter CC BY-SA. Bilder haben dagegen je Datei eigene Lizenzen.
Zwei Blicke in die Praxis
Case A · WordPress
Das CMS unter GPL
39,4 %
aller Websites
GPLv2+
Lizenz des Kerns
Wer Themes anpasst und weitergibt, gibt GPL-Code weiter
Marktanteil laut W3Techs, Stand November 2026. Die Lizenzfrage betrifft also einen großen Teil aller Agentur-Projekte.
Case B · Code-Audits
Lizenzkonflikte in Firmen-Software
68 %
mit Lizenzkonflikt
947
geprüfte Codebasen
Vorjahr 56 %, laut Black Duck der größte Sprung der Studie
Daten aus Audits, meist bei Firmenübernahmen. KI-Assistenten übernehmen Copyleft-Code teils ohne Lizenzangabe.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Copyleft heißt, alles ist erlaubt“
Copyleft gibt viele Rechte, aber mit Pflichten. Wer die Bedingungen verletzt, verliert die Lizenz. Dass die GPL in Deutschland durchsetzbar ist, bestätigte das Landgericht München I schon 2004, als es eine einstweilige Verfügung gegen einen Router-Hersteller aufrechterhielt.
Fehler 2 · „Open Source darf ich nicht verkaufen“
Doch. Die GPL erlaubt den Verkauf, und CC BY-SA erlaubt ausdrücklich kommerzielle Nutzung. Die Pflichten greifen bei der Weitergabe: gleiche Lizenz, Quellcode beziehungsweise Namensnennung.
Fehler 3 · Wikipedia-Bilder wie Wikipedia-Texte behandeln
Jede Datei hat ihre eigene Lizenz, manche sind gar nicht frei. Öffne das Bild auf Wikimedia Commons und lies die Lizenzangabe, bevor du es auf die Firmenseite stellst.
Fehler 4 · KI-Code ungeprüft übernehmen
Code-Assistenten können Schnipsel aus GPL-Projekten erzeugen, ohne die Lizenz zu nennen. Laut Black Duck prüfen nur 54 Prozent der Organisationen KI-Code auf Lizenzrisiken. In Kundenprojekten gehört ein Lizenz-Scan deshalb zur Abnahme.
So gehst du sauber damit um
- Lizenz lesen: vor dem Einbau, nicht nach der Abnahme.
- Liste führen: welche Bibliothek, welche Lizenz, welche Version.
- Scannen: Tools wie FOSSA, Snyk, ScanCode oder das REUSE-Tool der FSFE.
- Kunden informieren: im Vertrag festhalten, welche Teile unter GPL stehen.
- Inhalte kennzeichnen: bei Wikipedia-Texten Name, Lizenz und Änderungen angeben.
Häufige Fragen
Darf ich ein GPL-Theme anpassen und für Kunden einsetzen?
Ja. Die GPL erlaubt Anpassung und Weitergabe, auch gegen Geld. Gibst du das angepasste Theme weiter, steht es aber wieder unter der GPL, und der Kunde darf es selbst weitergeben.
Darf ich Wikipedia-Texte auf meiner Website nutzen?
Ja, auch kommerziell, unter CC BY-SA. Du musst die Autoren nennen, etwa per Link auf den Artikel, die Lizenz verlinken und Änderungen kennzeichnen. Deine Bearbeitung steht dann ebenfalls unter CC BY-SA.
Was ist der Unterschied zwischen GPL und MIT-Lizenz?
Die GPL ist Copyleft: Abgeleitete Werke müssen unter der GPL bleiben. Die MIT-Lizenz ist permissiv: Der Code darf auch in geschlossene Software wandern, solange der Lizenzhinweis erhalten bleibt.
Muss ich meinen Website-Code veröffentlichen, wenn ich GPL-Software nutze?
Bei der GPL greifen die Pflichten erst bei der Weitergabe, nicht schon beim Betrieb einer Website. Anders bei der AGPL: Dort musst du den Quellcode auch Nutzern anbieten, die die Software nur über das Netz verwenden.
Ist CC BY-SA mit der GPL vereinbar?
In eine Richtung. Seit 2015 dürfen Bearbeitungen von CC-BY-SA-4.0-Material unter der GPLv3 stehen. Umgekehrt geht es nicht.