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Bleistiftskizze: Eine Hand hält eine orange lachende Maske vor einen gesichtslosen Kopf, die Kamera auf Stativ zeigt nur die Maske, als Bild für Deepfakes
KI im Marketing

Deepfake

Ein Video, in dem jemand etwas sagt, was er nie gesagt hat — täuschend echt, mit KI gemacht. Für Marken ist das Risiko und Werkzeug zugleich.

Auch bekannt alsDeepfakesDeep Fake

5 Min

Lesezeit

28.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist ein Deepfake?

Deine Geschäftsführerin ruft per Video an und bittet um eine dringende Überweisung. Gesicht, Stimme, Tonfall stimmen. Nur: Sie war es nicht. Das ist ein Deepfake.

Das Wort verbindet „Deep Learning“ und „Fake“. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht von der Manipulation medialer Identitäten mit tiefen neuronalen Netzen — in Video, Bild und Audio.

Seit 2024 gibt es auch eine rechtliche Definition. Die KI-Verordnung der EU nennt einen Deepfake einen durch KI erzeugten oder manipulierten Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der echten Personen, Orten oder Ereignissen ähnelt und fälschlich als echt erscheinen würde. Reiner Text zählt dort nicht dazu.

Musst du Deepfakes kennzeichnen?

Ja. Artikel 50 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. August 2026 und trennt zwei Pflichten:

  • Anbieter von KI-Tools müssen deren Ausgaben maschinenlesbar als künstlich markieren (Abs. 2).
  • Betreiber — also auch dein Unternehmen, wenn es einen Deepfake veröffentlicht — müssen offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder verändert ist (Abs. 4).

Bei offensichtlich künstlerischen, satirischen oder fiktionalen Werken reicht ein Hinweis, der das Werk nicht stört. Verstöße gegen Artikel 50 können bis zu 15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes kosten, für KMU gilt der niedrigere Betrag.

Die Plattformen haben eigene Regeln. YouTube verlangt eine Offenlegung, wenn realistisch wirkende Inhalte eine echte Person etwas sagen oder tun lassen, was sie nie gesagt oder getan hat. Ausgenommen sind etwa Filter, Untertitel oder die eigene geklonte Stimme fürs Voiceover. Die Kennzeichnung selbst kostet laut YouTube weder Reichweite noch Monetarisierung.

Deepfakes als Risiko für Marken

Case A · CEO-Betrug

Ingenieurbüro Arup, Hongkong

200 Mio.

Hongkong-Dollar überwiesen

1

Videokonferenz

Rund 20 Mio. £ Schaden durch gefälschte Kollegen im Call

Ein Mitarbeiter überwies nach einem Call mit Deepfake-Versionen des Finanzchefs und weiterer Kollegen. Arup bestätigte den Fall im Mai 2024.

Case B · Fake-Werbung

Google Ads gegen Promi-Imitation 2024

700.000+

Werbekonten gesperrt

−90 %

Meldungen zu solchen Anzeigen

Seit März 2024 sind Anzeigen verboten, die Prominente imitieren

Google sperrt solche Konten ohne Vorwarnung dauerhaft. Meta gleicht seit 2025 auch in der EU Gesichter in verdächtigen Anzeigen mit Profilbildern Prominenter ab.

Das Wissen hinkt hinterher. In einer Bitkom-Umfrage von 2024 hatten 34 % der Deutschen ab 16 den Begriff noch nie gehört, nur 22 % konnten ihn erklären.

Wann Deepfakes im Marketing legitim sind

Die Technik ist nicht das Problem, die Täuschung schon. Mit Einwilligung und Kennzeichnung gibt es sinnvolle Einsätze:

  • KI-Avatar deiner Geschäftsführerin für Schulungs- oder Erklärvideos, mit ihrer schriftlichen Einwilligung.
  • Lokalisierung: dasselbe Video in fünf Sprachen, lippensynchron.
  • Eigene Stimme klonen fürs Voiceover.
  • Satire und Kunst mit dezentem Hinweis.

Ohne Einwilligung der dargestellten Person geht in Deutschland ohnehin wenig: Das Recht am eigenen Bild schützt jeden vor ungefragter Verwendung.

Häufige Fehler

Fehler 1 · „Deepfake heißt verboten“

Die KI-Verordnung verlangt Kennzeichnung, kein generelles Verbot. Verboten oder strafbar sind vor allem sexualisierte Deepfakes ohne Einwilligung — dazu hat das Bundeskabinett im Oktober 2026 einen Gesetzentwurf beschlossen.

Fehler 2 · Auf KI-Detektoren vertrauen

In der Deepfake Detection Challenge 2020 kam das beste Erkennungsmodell auf rund 65 % Treffer. Das BSI warnt, dass solche Detektoren schlecht übertragbar und angreifbar sind. Kein Tool gibt dir Sicherheit.

Fehler 3 · „Kennzeichnen muss nur der Anbieter“

Das Tool markiert maschinenlesbar. Offenlegen gegenüber Menschen muss, wer den Deepfake verbreitet — also du.

So schützt du dich und deine Marke

  • Auf Warnzeichen achten: laut BSI etwa Nahtstellen am Gesichtsrand, wenig Mimik, verwaschene Zähne, metallischer Klang oder falsche Betonung.
  • Rückruf über eine bekannte Nummer bei jeder ungewöhnlichen Zahlungsbitte — auch nach einem Videocall.
  • Vier-Augen-Prinzip für Überweisungen.
  • Fake-Werbung melden: bei Meta und Google, Screenshots als Beweis sichern.
  • Eigene KI-Inhalte kennzeichnen und Content Credentials nicht entfernen.

Häufige Fragen

Was ist ein Deepfake einfach erklärt?

Ein mit KI gefälschtes Bild, Video oder Tonstück, das echt wirkt — etwa ein Video, in dem eine reale Person etwas sagt, was sie nie gesagt hat.

Muss ich KI-Videos in der Werbung kennzeichnen?

Wenn sie realistisch echte Personen, Orte oder Ereignisse zeigen und täuschen könnten: ja, seit dem 2. August 2026 nach Artikel 50 der KI-Verordnung. Bei erkennbar kreativen oder satirischen Werken reicht ein dezenter Hinweis. Dazu kommen die Regeln der Plattformen.

Sind Deepfakes in Deutschland strafbar?

Nicht als solche. Strafbar kann je nach Inhalt etwa Betrug, Beleidigung oder die Verletzung des Rechts am eigenen Bild sein. Ein Gesetzentwurf vom Oktober 2026 soll sexualisierte und rufschädigende Deepfakes eigens unter Strafe stellen.

Wie erkenne ich einen Deepfake?

Achte auf Nahtstellen am Gesicht, wenig Mimik, unstimmiges Licht, metallischen Klang oder falsche Betonung. Sicher ist das nicht: Bei Zweifeln über einen zweiten, bekannten Kanal nachfragen.

Darf ich einen KI-Avatar von mir selbst nutzen?

Ja, das ist ein typischer legitimer Einsatz. Wirkt er realistisch, kennzeichne das Video. Bei Avataren anderer Personen brauchst du deren ausdrückliche Einwilligung.

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