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Bleistiftskizze: Drei Figuren auf Stufen mit wachsenden Rucksäcken, oben ein riesiger orange, darüber ein Sternenbogen, als Bild für gestaffelte DSA-Pflichten
Recht & Datenschutz

Digital Services Act

DSA

Das Grundgesetz der Plattformen in der EU. Der Digital Services Act regelt, wie Online-Dienste mit rechtswidrigen Inhalten umgehen, wie Werbung gekennzeichnet wird und welche Tricks verboten sind.

Auch bekannt alsGesetz über digitale Dienste

6 Min

Lesezeit

28.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist der Digital Services Act?

Der Digital Services Act, kurz DSA, ist die Verordnung (EU) 2022/2065. Auf Deutsch heißt er „Gesetz über digitale Dienste“. Er gilt seit dem 17. Februar 2024 direkt in allen EU-Staaten, ohne dass ein nationales Gesetz ihn erst umsetzen muss.

Der DSA richtet sich an sogenannte Vermittlungsdienste: Dienste, die Inhalte anderer weiterleiten, speichern oder zeigen. Er funktioniert wie eine Treppe — jede Stufe bringt mehr Pflichten:

  • Hosting-Dienste: alle, die Inhalte von Nutzern speichern, etwa Bewertungen oder Kommentare.
  • Online-Plattformen: Hosting-Dienste, die Inhalte öffentlich verbreiten, etwa soziale Netzwerke oder Marktplätze.
  • Sehr große Plattformen und Suchmaschinen: ab durchschnittlich 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU.

In Deutschland ergänzt das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) den DSA. Es ist seit dem 14. Mai 2024 in Kraft, löst das Telemediengesetz ab und macht die Bundesnetzagentur zur Aufsicht.

Was regelt der DSA bei Werbung?

Für Marketing sind vor allem diese Regeln wichtig. Sie treffen die Plattformen, also Meta, Google, TikTok und Co. — aber du siehst sie in jeder Kampagne.

  • Kennzeichnung (Art. 26): Bei jeder Anzeige muss klar erkennbar sein, dass es Werbung ist, in wessen Namen geworben wird, wer bezahlt hat und nach welchen Hauptmerkmalen der Nutzer ausgewählt wurde.
  • Keine sensiblen Daten: Werbung auf Basis von Gesundheit, Religion, sexueller Orientierung oder politischer Meinung ist verboten.
  • Schutz von Minderjährigen (Art. 28): Keine personalisierte Werbung, wenn die Plattform mit hinreichender Sicherheit weiß, dass der Nutzer minderjährig ist.
  • Werbearchiv (Art. 39): Sehr große Plattformen müssen jede Anzeige öffentlich durchsuchbar machen, bis ein Jahr nach der letzten Ausspielung.

Dazu kommt ein Verbot von Dark Patterns (Art. 25): Plattformen dürfen ihre Oberfläche nicht so bauen, dass sie Nutzer täuschen oder in eine Entscheidung drängen — etwa, indem das Kündigen schwerer ist als das Abschließen.

Gilt der DSA auch für kleine Firmen?

Teilweise. Ein normaler Onlineshop, der nur eigene Produkte verkauft, ist in der Regel gar kein Vermittlungsdienst. Sobald Nutzer bei dir Inhalte hinterlassen, sieht es anders aus:

Angebot

Was gilt

Shop ohne Nutzerinhalte

in der Regel nicht betroffen

Bewertungen, Forum

Meldeverfahren für Inhalte

Kleine Plattform

Zusatzpflichten entfallen

Sehr große Plattform

alle Pflichten

Das Meldeverfahren nach Art. 16 gilt für jeden Hosting-Dienst, egal wie klein: Nutzer müssen rechtswidrige Inhalte elektronisch melden können. Die Zusatzpflichten für Online-Plattformen entfallen dagegen für Kleinst- und Kleinunternehmen — also Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten und höchstens 10 Mio. € Umsatz oder Bilanzsumme.

Beispiele aus der Praxis

Fall A · Erste Geldbuße

EU-Kommission gegen X, Dezember 2025

120 Mio. €

Geldbuße gesamt

35 Mio. €

davon für das mangelhafte Werbearchiv

Erster Bußgeldbeschluss unter dem DSA

45 Mio. € entfielen auf den bezahlten blauen Haken, der eine Verifizierung vortäuscht, 40 Mio. € auf den fehlenden Datenzugang für Forschende.

Fall B · Aufsicht in Deutschland

Bundesnetzagentur, Jahr 2025

über 2.000

Beschwerden über mögliche Verstöße

26

nationale Verfahren eingeleitet

Die Aufsicht schaut nicht nur auf Big Tech

Schwerpunkte waren Meldeverfahren, Begründungen von Sperren und die Nachverfolgbarkeit von Händlern auf Marktplätzen. Beschwerden über die ganz großen Plattformen gehen meist nach Irland.

Die Strafen sind deutlich: Gegen sehr große Plattformen kann die Kommission bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. In Deutschland liegen die Grundbeträge nach dem DDG bei bis zu 300.000 €, bei Unternehmen mit mehr als 5 Mio. € Umsatz ebenfalls bis zu 6 %.

Häufige Irrtümer

Irrtum 1 · „Der DSA gilt nur für Big Tech“

Die schärfsten Pflichten ja. Das Meldeverfahren trifft aber jeden, der Nutzerinhalte speichert — auch den Handwerksbetrieb mit Bewertungsfunktion.

Irrtum 2 · DSA, DMA und DSGVO sind dasselbe

Der Digital Markets Act regelt den Wettbewerb weniger, sehr großer Torwächter. Die DSGVO regelt personenbezogene Daten. Der DSA regelt Inhalte, Transparenz und Nutzerschutz — und verweist bei sensiblen Daten auf die DSGVO.

Irrtum 3 · „Ich muss jede Anzeige selbst nach DSA kennzeichnen“

Die Pflicht nach Art. 26 trifft die Plattform. Werbung als solche erkennbar zu machen, verlangen von dir aber weiterhin das Wettbewerbs- und das Medienrecht.

Irrtum 4 · „Das Impressum steht im Telemediengesetz“

Seit dem 14. Mai 2024 gilt das Digitale-Dienste-Gesetz. Steht in deinem Impressum noch „§ 5 TMG“, ist das ein schneller Fix.

Was heißt das für dein Marketing?

  • Werbearchive nutzen: Die Werbebibliotheken der großen Plattformen zeigen dir, welche Anzeigen deine Wettbewerber schalten — ein Gratis-Recherchewerkzeug.
  • Targeting prüfen: Zielgruppen nach Gesundheit oder Religion fallen weg. Plane Kampagnen über Interessen und Inhalte.
  • Meldeweg einrichten: Hast du Kommentare, Bewertungen oder ein Forum, braucht es einen einfachen Weg, Inhalte zu melden.
  • Impressum aktualisieren: Verweis auf das DDG statt auf das TMG.

Häufige Fragen

Gilt der Digital Services Act für meinen Onlineshop?

Verkaufst du nur eigene Produkte ohne Nutzerinhalte, in der Regel nicht. Speicherst du Bewertungen, Kommentare oder Angebote anderer, bist du ein Hosting-Dienst und brauchst mindestens ein Meldeverfahren für rechtswidrige Inhalte.

Was muss bei Werbung auf Plattformen erkennbar sein?

Dass es Werbung ist, in wessen Namen geworben wird, wer bezahlt hat und nach welchen Hauptmerkmalen der Nutzer ausgewählt wurde. Diese Pflicht trifft die Plattform. Die Angaben dazu lieferst du als Werbetreibender im Anzeigenkonto.

Darf ich noch Werbung an Jugendliche schalten?

Personalisierte Werbung an Nutzer, von denen die Plattform weiß, dass sie minderjährig sind, ist verboten. Nicht personalisierte Werbung bleibt erlaubt. Die Plattformen setzen das in ihren Anzeigentools selbst um.

Wer kontrolliert den DSA in Deutschland?

Die Bundesnetzagentur als Koordinierungsstelle für digitale Dienste. Für die Werbeverbote bei sensiblen Daten und Minderjährigen ist der Bundesdatenschutzbeauftragte zuständig. Gegen sehr große Plattformen ermittelt die EU-Kommission.

Was ist der Unterschied zwischen DSA und DMA?

Der Digital Services Act regelt Inhalte, Werbetransparenz und Nutzerschutz für alle Vermittlungsdienste. Der Digital Markets Act ist Wettbewerbsrecht und richtet sich nur an wenige sehr große Konzerne, die sogenannten Gatekeeper.

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