Was ist Digital PR?
Klassische PR kennst du: Pressemitteilung schreiben, an Zeitungen schicken, hoffen. Digital PR nutzt dasselbe Handwerk, zielt aber auf Online-Medien — Nachrichtenseiten, Fachportale, Blogs, Podcasts, Newsletter.
Der Kern: Du lieferst Redaktionen etwas, das sie ohnehin bringen wollen. Eine eigene Umfrage, eine überraschende Auswertung, einen Fachmann mit klarer Meinung. Berichten sie darüber, entstehen Erwähnungen deiner Marke in Medien, für die du nicht bezahlt hast. Das nennt man Earned Media — verdiente Reichweite.
Klassische PR, Digital PR und Linkbuilding
Ansatz
Worum es geht
Klassische PR
Image und Beziehungen, oft Print, TV, Events
Digital PR
Berichte in Online-Medien, Link als Nebenprodukt
Linkbuilding
der Link selbst ist das Ziel
Die Grenze zieht Google nicht über den Namen, sondern über die Absicht. Links, die vor allem das Ranking beeinflussen sollen, gelten als Link-Spam — egal, wie man die Maßnahme nennt. Ein Redakteur, der deine Studie gut findet und darauf verlinkt, ist dagegen genau die Art Empfehlung, die Google sehen will.
Google-Mitarbeiter John Mueller hat 2021 auf X persönlich gelobt, was er von guter Digital PR sieht, und bedauert, dass sie oft mit spammigem Linkbuilding in einen Topf geworfen wird. Eine offizielle Richtlinie ist das nicht, aber ein deutlicher Fingerzeig.
Was Google zu Links aus PR sagt
In den Spam-Richtlinien nennt Google ausdrücklich Pressemitteilungen, Gastbeiträge und gesponserte Artikel, die über andere Seiten verbreitet werden und Links mit optimiertem Ankertext oder bezahlte Links enthalten. Ebenfalls Spam: Links gegen Geld, Waren oder kostenlose Produkte zu tauschen.
Gleichzeitig schreibt Google, dass bezahlte Links ein normaler Teil des Webs sind — solange sie mit rel="sponsored" oder rel="nofollow" gekennzeichnet sind. Solchen Links folgt Google in der Regel nicht.
Was Redaktionen wirklich wollen
Der Engpass bei Digital PR ist nicht die Idee, sondern das Postfach der Journalisten. Die Plattform Muck Rack hat dafür 2026 knapp 900 Journalisten befragt, überwiegend in den USA:
Chance
Pitches lösen Geschichten aus
86 %
starten Geschichten auch mit Pitches
40 %
wünschen sich eigene Daten
Gute Pitches werden gelesen und genutzt.
Am meisten gefragt: klarer Themenbezug (70 %) und Zugang zu Gesprächspartnern (58 %).
Risiko
Was sofort gelöscht wird
88 %
löschen Pitches ohne Themenbezug
71 %
löschen zu werbliche Pitches
Massenmails landen direkt im Papierkorb.
Dazu: 69 % bevorzugen Pitches unter 200 Wörtern.
Eine deutsche Stichprobe ist das nicht, und Muck Rack selbst rät, die Zahlen nicht mit Vorjahren zu vergleichen. Die Botschaft ist aber eindeutig: passgenau, kurz, mit Substanz.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Pressemitteilung als Linkschleuder
Keyword-Links in einer verteilten Pressemitteilung bringen dir im besten Fall nichts und im schlechtesten Ärger mit Google.
Fehler 2 · Gießkanne statt Passgenauigkeit
Derselbe Pitch an 300 Adressen, „Sehr geehrte Damen und Herren“. Die Hälfte der Befragten bei Muck Rack löscht alles, was nach Massenmail aussieht.
Fehler 3 · Nur Links zählen
Wer Erfolg allein an Backlinks misst, übersieht die Erwähnungen ohne Link, mehr Suchen nach deinem Markennamen und neue Anfragen. Gerade unverlinkte Nennungen in seriösen Medien prägen, wie Menschen und KI-Suchen dich einordnen.
Fehler 4 · Nachfassen ohne Ende
Einmal nachhaken ist okay — laut Muck Rack hält die Hälfte der Journalisten genau das für ideal. Wer dreimal nachfragt, fliegt raus: 46 % löschen deswegen.
So startest du mit Digital PR
- Eigene Daten finden: Was weißt du, was sonst keiner weiß? Kundenumfragen, Auswertungen aus deinem Tool, Erfahrungswerte aus 200 Projekten.
- Daraus eine Geschichte machen: eine überraschende Zahl, ein klarer Trend, eine Meinung.
- Passende Medien auswählen: lieber 20 Redaktionen, die das Thema wirklich bespielen, als 300 zufällige.
- Kurz und persönlich pitchen: unter 200 Wörtern, Bezug zum Ressort, Ansprechpartner anbieten.
- Wirkung messen: Erwähnungen, Links, Verweis-Traffic in GA4 und Markensuchen in der Google Search Console.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Digital PR und Linkbuilding?
Beim Linkbuilding ist der Link das Ziel. Bei Digital PR geht es um redaktionelle Berichterstattung, der Link ist ein willkommenes Nebenprodukt. Google bewertet nicht den Namen, sondern ob Links das Ranking manipulieren sollen.
Sind Pressemitteilungen mit Links erlaubt?
Eine Pressemitteilung an sich ist kein Problem. Verteilte Pressemitteilungen mit Keyword-Links oder bezahlten Links nennt Google aber ausdrücklich als Link-Spam. Bezahlte Links müssen mit sponsored oder nofollow gekennzeichnet sein.
Wie misst man den Erfolg von Digital PR?
Über Erwähnungen in Medien, neue verweisende Domains, Verweis-Traffic, mehr Suchen nach dem Markennamen und Anfragen, die sich auf einen Artikel beziehen. Backlink-Tools wie Ahrefs, Semrush oder SISTRIX helfen bei den Links.
Lohnt sich Digital PR für kleine Unternehmen?
Ja, wenn du etwas Eigenes zu erzählen hast. Lokale Medien und Fachportale sind dafür ein guter Einstieg. Eine eigene kleine Umfrage unter Kunden reicht oft schon für eine Geschichte.
Wie schreibe ich einen Pitch, der nicht gelöscht wird?
Kurz, persönlich und mit klarem Bezug zum Thema der Redaktion. Biete eigene Daten oder einen Gesprächspartner an und verzichte auf Werbesprache. Einmal nachhaken nach einigen Tagen ist in Ordnung.