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Bleistiftskizze: Drei verschieden große Flaschen mit leeren Preisschildern, gestrichelte Pfeile führen in einen orangen Messbecher als Bild für den Grundpreis
Recht & Datenschutz

Grundpreis

Der kleine Preis unter dem großen: was ein Kilo oder ein Liter kostet. Für Onlinehändler ist er Pflicht — und einer der häufigsten Gründe für Abmahnungen.

Auch bekannt alsPreis pro MengeneinheitKilopreisLiterpreis

6 Min

Lesezeit

08.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist der Grundpreis?

Was ist günstiger: 250 ml für 3,99 € oder 400 ml für 5,99 €? Ohne Taschenrechner weißt du es nicht. Genau dafür gibt es den Grundpreis: Er rechnet jeden Preis auf dieselbe Menge um, zum Beispiel einen Liter.

Die Preisangabenverordnung (PAngV) definiert ihn als „Preis je Mengeneinheit einer Ware einschließlich der Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile“. Der Gesamtpreis ist das, was du tatsächlich bezahlst. Der Grundpreis ist die Vergleichszahl daneben.

Pflicht ist er immer dann, wenn du Verbrauchern Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche anbietest — oder mit Preisen dafür wirbst. Im reinen B2B-Geschäft gilt die PAngV nicht.

So berechnest du den Grundpreis

Grundpreis

Grundpreis = Gesamtpreis ÷ Füllmenge × Bezugsmenge

Beispiel: 250 ml für 3,99 € → 3,99 ÷ 250 × 1.000 = 15,96 € je Liter

Die Bezugsmenge legt § 5 PAngV fest. Für abgepackte Ware gilt seit Mai 2022:

Ware nach

Bezugsmenge

Gewicht

1 kg

Volumen

1 l (große Mengen: 1 m³)

Länge

1 m

Fläche

1 m²

Die alte Ausnahme, kleine Packungen bis 250 g oder 250 ml auf 100 g oder 100 ml zu beziehen, ist mit der neuen PAngV weggefallen. Auch die 100-g-Tafel Schokolade braucht also einen Kilopreis. Nur bei loser Ware, die vor deinen Augen abgewogen wird, sind 100 g und 100 ml noch erlaubt. Ist ein Abtropfgewicht anzugeben, etwa bei Gurken im Glas, rechnest du damit.

Fall A · Kosmetik

Gesichtscreme, 50 ml

24,90 €

Gesamtpreis

50 ml

Füllmenge

24,90 ÷ 50 × 1.000 = 498,00 € je Liter

Sieht absurd hoch aus, ist aber Pflicht. Wer lieber „49,80 € / 100 ml“ schreibt, verstößt gegen § 5 PAngV.

Fall B · Lebensmittel

Kaffeebohnen, 600 g

4,49 €

Gesamtpreis

600 g

Füllmenge

4,49 ÷ 600 × 1.000 = 7,48 € je Kilogramm

Krumme Mengen sind der Normalfall — deshalb lohnt es sich, den Grundpreis im Shop automatisch rechnen zu lassen.

Wo der Grundpreis stehen muss

Laut § 4 PAngV gehört der Grundpreis neben den Gesamtpreis, und zwar unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar. Der Bundesgerichtshof hat 2022 präzisiert: Beide Preise müssen auf einen Blick wahrnehmbar sein (I ZR 69/21). Im Warenkorb oder in einem aufklappbaren Detailbereich reicht nicht.

Das gilt auch für Werbung mit Preisen: Newsletter, Social-Media-Anzeigen und Google Shopping. Im Merchant Center ist das Attribut für den Grundpreis in der EU Pflicht, sobald du nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkaufst.

Ausnahmen nennt § 4 Abs. 3 PAngV, unter anderem: Waren unter 10 g oder 10 ml, verschiedenartige Erzeugnisse in einer Packung, dekorative Kosmetik und viele Parfums. Wer Ware ohnehin stückweise verkauft, etwa T-Shirts, braucht keinen Grundpreis.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Noch mit 100 ml rechnen

Viele Shops und Plugins zeigen aus alter Gewohnheit „je 100 ml“ an. Für Fertigpackungen ist das seit Mai 2022 falsch. Auch Googles eigene Beispiele nehmen 100 ml als Basis — für Deutschland übernimm sie nicht.

Fehler 2 · Den Grundpreis verstecken

Unter dem Kaufen-Button, im Tab „Details“ oder erst nach dem Scrollen: Das ist nicht „auf einen Blick“. Er gehört direkt an den Preis, auf der Produktseite und in Kategorielisten.

Fehler 3 · Shopping-Feed vergessen

Der Shop zeigt alles richtig, der Feed für Google Shopping aber nicht. Dann fehlt der Grundpreis in jeder Anzeige. Prüfe die Felder für Maßeinheit und Bezugsmenge im Merchant Center.

Fehler 4 · Varianten über einen Kamm scheren

Das Duschgel gibt es in 250 ml und 500 ml? Dann braucht jede Variante ihren eigenen Grundpreis. Ein einziger Wert für alle stimmt höchstens bei einer.

So setzt du ihn im Shop um

  • Shopify: Im Produkt oder in der Variante unter Preisgestaltung „Grundpreis“ aktivieren, Gesamtmenge und Bezugsmenge (z. B. 1 kg) eintragen. Neuere Themes zeigen ihn dann auf Produkt-, Kollektions- und Warenkorbseiten.
  • WooCommerce: Der Grundpreis ist nicht eingebaut. Üblich ist das Plugin Germanized mit Feldern für Produkt- und Grundpreiseinheit.
  • Google Merchant Center: Maßeinheit (z. B. „750 ml“) und Bezugsmenge (z. B. „1 l“) im Feed mitgeben.
  • Kontrolle: Einmal im Quartal zehn Produkte stichprobenartig nachrechnen, vor allem neue und solche mit Varianten.

Häufige Fragen

Muss ich auch bei einer 100-g-Packung einen Kilopreis angeben?

Ja. Seit der neuen PAngV vom Mai 2022 gilt für Fertigpackungen 1 kg oder 1 l als Bezugsmenge, auch bei kleinen Packungen. Nur bei loser Ware sind 100 g oder 100 ml erlaubt.

Wo genau muss der Grundpreis im Onlineshop stehen?

Neben dem Gesamtpreis, so dass beide auf einen Blick zu sehen sind. Das gilt für Produktseiten, Kategorielisten und überall, wo du mit dem Preis wirbst.

Brauche ich den Grundpreis auch in Anzeigen?

Ja, sobald die Anzeige einen Preis nennt. Die PAngV erfasst ausdrücklich auch Werbung mit Preisen, also auch Google Shopping, Newsletter und Social-Media-Anzeigen.

Welche Produkte sind vom Grundpreis ausgenommen?

Unter anderem Waren unter 10 g oder 10 ml, Sets aus verschiedenen Erzeugnissen, dekorative Kosmetik und viele Parfums. Ware, die nach Stück verkauft wird, braucht von vornherein keinen.

Gilt die Grundpreispflicht auch im B2B-Shop?

Nein. Die PAngV schützt Verbraucher. Verkaufst du ausschließlich an Unternehmen und stellst das klar, entfällt die Pflicht.

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