Was ist Legetechnik?
Ein weißer Tisch, ein paar ausgeschnittene Figuren, eine Hand, die sie ins Bild schiebt. Dazu eine ruhige Stimme, die erklärt. Du hast so ein Video bestimmt schon gesehen — in der Schule, auf einer Behördenseite oder als Produkterklärung. Das ist Legetechnik, auch Legetrick genannt.
Die Bildelemente werden vorher gezeichnet und ausgeschnitten: Figuren, Symbole, Pfeile, kurze Textkarten. Beim Dreh legt eine Hand sie Schritt für Schritt auf die Fläche, verschiebt sie und nimmt sie wieder weg. Gefilmt wird von oben, der Sprechertext erzählt die Geschichte dazu. Analoge Bilder, digitale Aufnahme und digitaler Schnitt — das macht den Charme aus.
Woher kommt der Stil?
Bekannt gemacht hat den Stil das amerikanische Paar Lee und Sachi LeFever mit ihrer Firma Common Craft. 2007 starteten sie die Reihe „In Plain English“: Begriffe wie RSS, Wikis oder Twitter, erklärt mit Whiteboard und Papierschnipseln. Laut Wikipedia entstanden über 70 solcher Videos; Dropbox zeigte eins davon auf seiner Startseite.
Im deutschsprachigen Raum wurde der Stil vor allem durch Erklärfilm-Anbieter und den Einsatz im Unterricht populär. Weil die Technik so einfach ist, drehen inzwischen Schulklassen ihre eigenen Legetrick-Videos.
Legetechnik, Whiteboard, Animation
Stil
So entsteht das Bild
Legetechnik
Fertige Papierelemente werden gelegt und verschoben
Whiteboard
Die Zeichnung entsteht live vor der Kamera
Stop-Motion
Einzelbilder, zwischen denen alles leicht bewegt wird
2D-Animation
Komplett digital, ohne Papier und Hände
Viele Programme ahmen Legetechnik und Whiteboard heute digital nach, deshalb verschwimmen die Begriffe. Wichtig für dich: Legetechnik ist keine eigene Videogattung, sondern ein Stil des Erklärvideos.
Wann Legetechnik passt
Legetechnik wirkt nahbar und ehrlich, weil man die Hand sieht. Das passt gut für abstrakte Themen, Abläufe und Dienstleistungen, die man nicht abfilmen kann — Versicherungen, Software, Förderprogramme.
Aus der Lernforschung gibt es einen Hinweis, warum das funktioniert: Philip Guo und Kollegen haben 6,9 Millionen Video-Sitzungen in Online-Kursen ausgewertet. Kürzere Videos hielten die Zuschauer deutlich besser, und handgezeichnete Erklärungen banden mehr als Folien. Das waren Lernvideos, keine Werbung — die Richtung lässt sich aber übertragen: kurz und handgemacht schlägt lang und poliert.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Wackelnde Kamera
Das Smartphone in der Hand oder schräg auf einem Buch — und das ganze Video wirkt unruhig. Die Kamera muss fest stehen, genau senkrecht über der Fläche. Ein Stativ mit Überkopf-Arm kostet wenig und rettet alles.
Fehler 2 · Schatten und schlechtes Licht
Eine Deckenlampe wirft den Schatten von Hand und Handy aufs Papier. Zwei Lichtquellen von links und rechts sorgen für gleichmäßiges Licht.
Fehler 3 · Zu viel Text auf den Karten
Wenn der Sprecher etwas sagt und auf der Karte etwas anderes steht, liest der Zuschauer und hört nicht mehr zu. Auf die Karten gehören Bilder und höchstens einzelne Schlüsselwörter.
Fehler 4 · Aufwand unterschätzen
Einfache Technik heißt nicht schnell. Figuren zeichnen, ausschneiden, Ablauf proben, mehrere Durchgänge filmen — für zwei Minuten Video ist ein Tag schnell weg.
So drehst du dein erstes Legetrick-Video
- Skript schreiben — ein Problem, eine Lösung, ein Aufruf. Unter zwei Minuten bleiben.
- Storyboard skizzieren — welches Element liegt wann im Bild?
- Elemente zeichnen und ausschneiden — dicke Linien, wenig Details, kräftige Farben.
- Aufbau einrichten — weiße Fläche, Smartphone fest von oben, zwei Lichtquellen.
- Drehen und schneiden — Ton separat aufnehmen und im Schnitt mit CapCut, iMovie oder DaVinci Resolve anlegen.
Wer gar nicht basteln will, findet digitale Werkzeuge wie mysimpleshow oder VideoScribe, die den Stil nachbauen. Das geht schneller, wirkt aber weniger persönlich.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Legetechnik und Whiteboard-Video?
Bei der Legetechnik werden fertige, ausgeschnittene Elemente ins Bild gelegt und verschoben. Beim Whiteboard-Video entsteht die Zeichnung live vor der Kamera. Viele Programme mischen beide Stile.
Was brauche ich für ein Legetechnik-Video?
Papier, Stifte, eine Schere, eine helle Fläche, ein Smartphone mit stabiler Halterung von oben, zwei Lichtquellen und eine Schnitt-App. Wichtiger als die Ausstattung ist ein gutes Skript.
Wie lang sollte ein Legetrick-Video sein?
So kurz wie möglich, meist unter zwei Minuten. Lernforschung zeigt, dass kürzere Videos die Zuschauer besser halten.
Lohnt sich Legetechnik fürs Marketing?
Ja, vor allem für Themen, die man nicht abfilmen kann: Dienstleistungen, Software, Abläufe. Der handgemachte Stil wirkt nahbar. Für Luxusmarken oder sehr emotionale Produkte passt er weniger.
Geht Legetechnik auch digital?
Ja. Tools wie mysimpleshow oder VideoScribe bauen den Stil am Rechner nach, ohne Schere und Kamera. Das spart Zeit, verliert aber etwas vom Charme der echten Hand.