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Bleistiftskizze: Offener Holzkarteikasten, eine orange Karteikarte ragt heraus, drei Sprechblasen zeigen auf sie, als Bild für eine Terminologiedatenbank
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Terminologiedatenbank

Heißt es bei euch Kundenkonto, Benutzerkonto oder Profil? Eine Terminologiedatenbank legt fest, welches Wort gilt — und zwar für alle, die schreiben, übersetzen oder eine KI füttern.

Auch bekannt alsTermbaseTerm Base

5 Min

Lesezeit

08.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist eine Terminologiedatenbank?

Auf der Website steht „Lieferzeit“, im Shop „Versanddauer“ und in der Mail „Zustellzeit“. Meint alles dasselbe? Der Kunde weiß es nicht genau. Und die Übersetzerin für die englische Seite auch nicht. Eine Terminologiedatenbank räumt damit auf.

Sie ist eine geordnete Sammlung der Fachbegriffe eines Unternehmens. Das Besondere: Sie ist begriffsorientiert. Ein Eintrag steht für eine Sache, nicht für ein Wort. Darin stehen alle Benennungen, die es dafür gibt, und welche davon gilt.

Im Englischen heißt sie Termbase. Phrase, ein Anbieter von Übersetzungssoftware, beschreibt sie als Datenbank mit freigegebenen Begriffen und ihren Übersetzungen, nach Bedeutung gruppiert.

Was in einen Eintrag gehört

  • Bevorzugte Benennung: das Wort, das alle benutzen sollen.
  • Erlaubte und verbotene Varianten: zum Beispiel „Versanddauer“ erlaubt, „Zustellzeit“ verboten.
  • Definition: ein, zwei Sätze, was genau gemeint ist.
  • Kontext: ein Beispielsatz aus echtem Text.
  • Übersetzungen: je Sprache wieder mit Status.
  • Verantwortlich und Datum: wer den Eintrag freigegeben hat.

Mehr braucht es zum Start nicht. Der Deutsche Terminologie-Tag empfiehlt ausdrücklich, mit wenigen Pflichtfeldern zu beginnen. Für den Austausch zwischen Programmen gibt es das Format TBX nach der Norm ISO 30042.

Warum das kein Luxus ist

Wie verbreitet das Wortchaos ist, zeigt eine Studie des Fachverbands tekom aus 2016 mit 504 befragten Unternehmen, vor allem aus der Industrie. Die Zahlen sind älter, eine neuere Studie dieser Größe gibt es nicht.

Studie · tekom 2016

Uneinheitliche Begriffe im Haus

65 %

ständig oder sehr oft verschiedene Wörter

62 %

Marketing vergibt Benennungen

In zwei von drei Unternehmen benennen Abteilungen dasselbe Produktteil unterschiedlich. Und das Marketing prägt die Begriffe kräftig mit.

Online-Umfrage unter tekom-Mitgliedern Mitte 2015.

Beispiel · EU

IATE, die Datenbank der EU

7 Mio.

Benennungen

44 Mio.

Abfragen pro Jahr

Die EU pflegt ihre Begriffe in 24 Amtssprachen in einer gemeinsamen Datenbank. Sie ist kostenlos und für jeden durchsuchbar.

Laut IATE-Broschüre 2024 die größte mehrsprachige Terminologiedatenbank der Welt.

Den Nutzen sehen die Befragten der tekom-Studie klar: 86,5 Prozent erwarten eine große oder sehr große Qualitätsverbesserung durch einheitliche Benennungen, 80,8 Prozent eine bessere Verständlichkeit für Kunden.

Abgrenzung zu Glossar und Co.

Werkzeug

Was es speichert

Terminologiedatenbank

Begriffe mit Status und Definition

Glossar

Einfache Wortliste

Translation Memory

Ganze übersetzte Sätze

Styleguide

Ton, Schreibweisen, Regeln

Oft ist ein Glossar nur ein Auszug aus der Terminologiedatenbank. Und der Styleguide ergänzt sie: Er regelt, wie du schreibst, die Datenbank, welche Wörter du dabei nimmst. Zusammen sind sie die Grundlage einer Corporate Language.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Wortpaare statt Begriffe

Eine Excel-Liste mit „Deutsch | Englisch“ pro Zeile ist schnell gebaut. Aber dann fehlen Synonyme, verbotene Varianten und Definitionen. Und derselbe Begriff steht bald dreimal drin.

Fehler 2 · Nur an die Übersetzung denken

Das Chaos entsteht schon im Deutschen. Wer nur die Übersetzungen ordnet, übersetzt die Uneinheitlichkeit einfach mit.

Fehler 3 · Niemand ist zuständig

Wenn Entwicklung, Vertrieb und Marketing Begriffe vergeben, aber keiner sie freigibt, veraltet die Datenbank in wenigen Monaten. Eine Person muss den Hut aufhaben.

Fehler 4 · Neue Einträge nicht nachziehen

Ein neuer Eintrag ändert keine alten Texte. Laut Phrase-Hilfe wirken neue Begriffe nicht automatisch im ganzen Projekt, bestehende Stellen musst du suchen und ersetzen.

So fängst du an

  • Klein starten: 30 bis 50 Begriffe, die Kunden täglich lesen — Produktnamen, Leistungen, Schritte im Bestellprozess.
  • Werkzeug wählen: Google Sheets reicht am Anfang. Für mehrere Sprachen lohnen Phrase, memoQ, RWS MultiTerm oder Quickterm.
  • KI füttern: Gib die Liste deinem KI-Tool als feste Vorgabe mit. DeepL bietet dafür eine Glossar-Funktion.
  • Nachschlagen: Für Fachbegriffe aus Recht und Verwaltung hilft IATE, in der Schweiz TERMDAT der Bundeskanzlei.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Termbase und Translation Memory?

Eine Termbase speichert einzelne Begriffe mit Definition und Status. Ein Translation Memory speichert ganze Sätze mit ihrer Übersetzung, die beim Übersetzen automatisch entstehen. Gute Übersetzungssoftware nutzt beides zusammen.

Reicht für ein kleines Unternehmen eine Excel-Liste?

Für den Anfang ja, wenn sie pro Zeile einen Begriff hat, nicht ein Wortpaar. Spalten für bevorzugte und verbotene Benennung, Definition und Beispielsatz reichen. Bei mehreren Sprachen lohnt ein echtes Werkzeug.

Was ist TBX?

TermBase eXchange, ein XML-Format nach ISO 30042 für den Austausch zwischen Terminologie-Programmen. Damit ziehst du deine Datenbank von einem Werkzeug ins nächste um.

Ist IATE kostenlos?

Ja. Die Terminologiedatenbank der EU ist frei im Netz durchsuchbar und deckt alle 24 Amtssprachen ab.

Wie bringe ich eine KI dazu, unsere Begriffe zu nutzen?

Gib die Liste der bevorzugten und verbotenen Wörter als feste Vorgabe mit, etwa im Systemprompt oder in den Projektanweisungen. Übersetzungsdienste wie DeepL haben dafür eine Glossar-Funktion.

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