Was ist eine Werbe-ID?
Im Browser übernehmen Cookies das Wiedererkennen. In Apps gibt es keine Cookies — dort gibt es die Werbe-ID, im Englischen MAID (Mobile Advertising ID). Jedes Smartphone bekommt vom Betriebssystem eine lange Zufallskennung, die Apps für Werbung auslesen können.
- Android: die Google Advertising ID (GAID), bereitgestellt über die Google-Play-Dienste.
- iPhone: der IDFA (Identifier for Advertisers).
Damit lässt sich dasselbe Gerät in vielen Apps wiedererkennen. Werbenetzwerke nutzen das für Zielgruppen, für Frequency Capping (dieselbe Anzeige nicht zu oft zeigen), für Retargeting und um zu messen, ob nach einer Anzeige eine App installiert oder etwas gekauft wurde.
Was Apple und Google erlauben
Apple hat die Werbe-ID mit iOS 14.5 an eine Abfrage gekoppelt: App Tracking Transparency (ATT). Eine App muss fragen, bevor sie den IDFA lesen darf. Wer ablehnt, liefert nur Nullen. Apple verbietet auch Umwege — etwa eine gehashte E-Mail-Adresse als Ersatzkennung ohne Erlaubnis.
Google schreibt die Werbe-ID für Werbung sogar vor, weil Nutzer sie zurücksetzen können. Unter Einstellungen → Datenschutz → Werbung lässt sie sich zurücksetzen oder löschen; danach bekommen Apps nur noch Nullen. Eine zurückgesetzte ID darf nicht mit der alten verknüpft werden, und dauerhafte Gerätekennungen wie die IMEI sind für Werbung tabu.
Wie viele zustimmen? Laut dem Attributionsanbieter AppsFlyer erlaubten 2025 in Deutschland 47 % der iPhone-Nutzer das Tracking, weltweit rund die Hälfte. Andere Anbieter messen deutlich weniger — je nachdem, wer zählt und wie.
Googles geplanter Nachfolger für Android, die Privacy Sandbox, ist dagegen weitgehend vom Tisch. Im Oktober 2025 kündigte Google an, die meisten Bausteine wegen geringer Nutzung einzustellen. Die Werbe-ID bleibt also vorerst.
Was rechtlich gilt
In Deutschland ist die Lage klar: Wer Informationen auf einem Gerät ausliest, braucht nach § 25 TDDDG eine Einwilligung. Die Datenschutzkonferenz (DSK), das Gremium der deutschen Datenschutzbehörden, nennt Werbe-Identifikationsnummern in ihrer Orientierungshilfe ausdrücklich als praxisrelevanten Fall. Und sie stellt klar: Die Einwilligung ist nötig, egal ob die ID als personenbezogen gilt.
Warum das so streng ist, zeigten 2024 die „Databroker Files“ von netzpolitik.org und Bayerischem Rundfunk. Ein US-Datenhändler gab als kostenlose Probe 3,6 Milliarden Standortpunkte aus Deutschland heraus, verknüpft mit rund 11 Millionen Werbe-IDs. Daraus ließen sich Wohnorte, Arbeitsplätze und Besuche in Kliniken ablesen. Die Werbe-ID war der Schlüssel, der einzelne Punkte zu Bewegungsprofilen zusammenfügt.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Die Werbe-ID ist anonym“
Sie enthält keinen Namen, stimmt. Aber sie bleibt am selben Gerät hängen, und die Databroker Files haben gezeigt, wie schnell sich daraus Menschen ableiten lassen. Behandle sie wie personenbezogene Daten.
Fehler 2 · Zurücksetzen mit Löschen verwechseln
Beim Zurücksetzen bekommst du nur eine neue Kennung. Wer zusätzlich Login-Daten oder andere Spuren nutzt, könnte neu verknüpfen — bei Google ist das verboten, aber technisch möglich. Erst Löschen (Android) oder „Nicht erlauben“ (iPhone) liefert Nullen.
Fehler 3 · Messung ohne ID für unmöglich halten
Ohne Werbe-ID ist Messung nicht tot, nur gröber. Apple bietet mit SKAdNetwork und AdAttributionKit eine Messung ohne Nutzerkennung, Google und Meta rechnen fehlende Daten mit Modellen hoch. Plan Kampagnen-Auswertungen mit dieser Unschärfe ein.
Fehler 4 · Zugekaufte Daten nicht hinterfragen
Wer Zielgruppen auf Basis von Werbe-IDs zukauft, etwa für Geofencing, sollte sich zeigen lassen, woher die Daten stammen und ob Einwilligungen vorliegen. „Haben alle so gemacht“ schützt nicht.
Was du tun kannst
- Als Nutzer: Android unter Einstellungen → Datenschutz → Werbung die Werbe-ID löschen; am iPhone unter Datenschutz & Sicherheit → Tracking das Fragen nach Tracking abschalten.
- Als App-Betreiber: Werbe-ID nur nach Einwilligung auslesen, ein Consent-Tool mit App-SDK einsetzen, nie mit E-Mail oder Gerätenummern verknüpfen.
- Als Werbetreibender: Messung über Plattform-Werkzeuge und eigene Conversions aufbauen, nicht über zugekaufte Kennungen.
Häufige Fragen
Wo finde ich meine Werbe-ID?
Bei Android meist unter Einstellungen, Datenschutz, Werbung — dort kannst du sie zurücksetzen oder löschen. Beim iPhone gibt es keine sichtbare Anzeige; unter Datenschutz und Sicherheit, Tracking legst du fest, ob Apps danach fragen dürfen.
Was passiert, wenn ich Tracking am iPhone ablehne?
Die App bekommt statt deines IDFA nur Nullen und darf dich laut Apple auch nicht über andere Kennungen über Apps hinweg verfolgen. Werbung siehst du weiter, nur weniger zielgenau.
Was ist der Unterschied zwischen Zurücksetzen und Löschen?
Zurücksetzen erzeugt eine neue Kennung, die Apps dann wieder auslesen können. Löschen bei Android entfernt die ID; Apps bekommen nur noch Nullen, bis du eine neue erzeugst.
Brauche ich für die Werbe-ID eine Einwilligung?
In Deutschland ja. Wer sie aus einem Gerät ausliest, braucht nach § 25 TDDDG eine Einwilligung. Die Datenschutzkonferenz nennt Werbe-IDs ausdrücklich. Für die weitere Verarbeitung braucht es zusätzlich eine Rechtsgrundlage nach DSGVO.
Kann meine Werbe-ID an Datenhändler gehen?
Ja, über Apps und Werbe-SDKs, die Daten weitergeben. Die Databroker Files zeigten 2024 Millionen deutsche Werbe-IDs mit Standortdaten im Handel. Löschen oder Ablehnen der Werbe-ID erschwert das deutlich.