Was ist Wikidata?
Wikipedia erklärt die Welt in Texten. Wikidata erklärt sie in Fakten — als Datenbank, die Maschinen ohne Umweg lesen können. Gestartet ist sie am 29. Oktober 2012, betrieben wird sie von der Wikimedia Foundation, gepflegt von Freiwilligen und Bots.
Der Aufbau ist schlicht und streng zugleich:
- Item — ein Eintrag für eine Entität, also eine Person, Firma, Stadt oder ein Produkt. Kennung: Q plus Zahl. Q42 ist der Schriftsteller Douglas Adams.
- Property — eine Eigenschaft, Kennung P plus Zahl. P69 heißt zum Beispiel „besuchte Schule“.
- Statement — Property plus Wert. Q42 hat P69 mit dem Wert St John's College.
- Label, Beschreibung, Aliase — Name und Kurzbeschreibung in vielen Sprachen.
Der Clou ist die Kennung. „Apple“ kann eine Frucht oder ein Konzern sein. Q312 ist nur der Konzern. Diese Eindeutigkeit macht Wikidata für Suchmaschinen und KI-Systeme interessant.
Warum Wikidata für SEO und KI-Suche zählt
Suchmaschinen denken in Entitäten, nicht in Wörtern. Sie wollen wissen: Welche Firma ist gemeint, wo sitzt sie, wer leitet sie? Wikidata liefert genau solche Fakten, offen und maschinenlesbar.
- Offene Lizenz: Die strukturierten Daten stehen unter CC0, sind also gemeinfrei. Jeder darf sie nutzen — Suchmaschinen, Sprachassistenten, KI-Firmen.
- Verbindungsstück: Ein Item bündelt externe Kennungen wie GND, VIAF oder IMDb. So erkennt eine Maschine, dass fünf Profile dieselbe Entität beschreiben.
- Für Maschinen gebaut: Wikimedia Deutschland hat im Oktober 2025 das Embedding Project gestartet, das Wikidata mit semantischer Vektorsuche für Maschinen leichter durchsuchbar macht.
Historisch gibt es auch eine Linie zu Google: Die frühere Datenbank Freebase, die den Knowledge Graph mit gespeist hat, lief bis 2015 und wurde mit Zuordnungen zu Wikidata übergeben. Wie stark Google Wikidata heute nutzt, sagt Google aber nicht. In der offiziellen Hilfe heißt es nur, die Fakten im Knowledge Graph stammen aus vielen Quellen.
Bekommt jede Firma einen Eintrag?
Nein. Wikidata hat Relevanzregeln, die lockerer sind als bei Wikipedia, aber nicht null. Ein Item ist zulässig, wenn es mindestens eins von drei Kriterien erfüllt:
- Es hat einen Link zu einem Artikel in Wikipedia, Wikivoyage oder einem anderen Wikimedia-Projekt.
- Es beschreibt eine klar erkennbare Entität, die sich mit verlässlichen, öffentlich zugänglichen Quellen belegen lässt.
- Es wird gebraucht, damit Aussagen in anderen Items funktionieren — etwa der Arbeitgeber einer relevanten Person.
Die eigene Website, Social-Media-Profile und Pressemitteilungen zählen als Beleg nicht. Ein Handelsregistereintrag kann als Kennung dienen, macht eine Firma aber allein nicht relevant. Ein Essay der Community rät als Faustregel zu drei unabhängigen Quellen, die ausführlich über dich berichten.
Situation
Chance
Wikipedia-Artikel vorhanden
Eintrag sicher
Presse berichtet mehrfach
Eintrag gut möglich
Nur eigene Website
Löschung wahrscheinlich
Häufige Fehler
Fehler 1 · Sich selbst eintragen und Werbung machen
Einträge über sich selbst oder die eigene Firma sind in der Community ausdrücklich unerwünscht. Fehlt die Relevanz, fliegt das Item wieder raus — und das Benutzerkonto kann gesperrt werden.
Fehler 2 · Bezahlt bearbeiten, ohne es zu sagen
Pflegt eine Agentur Einträge für Kunden, muss sie das offenlegen. Wikidata verlangt bei bezahlten Bearbeitungen, jeden Auftraggeber zu nennen — zum Beispiel auf der Benutzerseite.
Fehler 3 · Wikidata mit Wikipedia verwechseln
Wikipedia ist Fließtext unter CC BY-SA, Wikidata ist eine Faktendatenbank unter CC0. Wer einen Wikidata-Eintrag hat, hat noch lange keinen Wikipedia-Artikel.
Fehler 4 · Wunder erwarten
Ein Item allein bringt weder Rankings noch KI-Nennungen. Belastbare Zahlen, dass ein Eintrag die Sichtbarkeit eines KMU messbar steigert, gibt es nicht. Wer so etwas verspricht, verkauft Hoffnung.
So nutzt du Wikidata sinnvoll
Für die meisten kleinen Firmen gilt: Erst die eigenen Hausaufgaben, dann Wikidata.
- Strukturierte Daten auf der eigenen Seite: Organization-Markup mit Name, Logo, Adresse und sameAs. Schema.org nennt den Wikidata-Eintrag ausdrücklich als Beispiel für so einen Verweis.
- Google Business Profile pflegen: Für Unternehmen verweist Google selbst auf das Profil, nicht auf Wikidata.
- Erwähnungen verdienen: Fachpresse, Verbände, Studien — sie machen dich relevant für Wikidata und für Maschinen generell.
- Bestehenden Eintrag prüfen: Gibt es dich schon? Dann Fakten korrigieren und mit Quellen belegen, statt neu anzulegen.
Häufige Fragen
Bekomme ich durch einen Wikidata-Eintrag ein Knowledge Panel?
Nicht automatisch. Google nennt Wikidata nicht als Quelle und garantiert generell nicht, dass strukturierte Daten in den Suchergebnissen auftauchen. Ein Eintrag hilft bei der eindeutigen Zuordnung, mehr verspricht niemand seriös.
Darf ich mein Unternehmen selbst bei Wikidata eintragen?
Technisch ja, die Community rät aber stark davon ab. Ohne unabhängige, verlässliche Quellen wird der Eintrag wahrscheinlich gelöscht. Wer im Auftrag bearbeitet, muss das offenlegen.
Was ist der Unterschied zwischen Wikidata und Wikipedia?
Wikipedia besteht aus Artikeln, Wikidata aus einzelnen Fakten mit festen Kennungen. Wikipedia-Artikel ziehen manche Angaben aus Wikidata, etwa in Infoboxen. Die Relevanzregeln von Wikidata sind lockerer.
Wie verknüpfe ich meine Website mit Wikidata?
Über die Eigenschaft sameAs im Organization- oder Person-Markup deiner Seite: Dort trägst du die URL deines Wikidata-Items ein. Umgekehrt kann im Item die offizielle Website stehen.
Nutzen KI-Systeme Wikidata?
Die Daten sind gemeinfrei und für Maschinen gebaut, Sprachassistenten wie Siri und Alexa haben sie genutzt. Welche Sprachmodelle Wikidata wie stark nutzen, legen die Anbieter aber nicht offen.