Was ist ein Content Audit?
Bei einem Content Audit nimmst du dir jede Seite deiner Website vor — Blogartikel, Leistungsseiten, Ratgeber — und fragst: Bringt sie noch etwas? Grundlage sind Zahlen: Klicks aus der Google-Suche, Besuche, Interaktion, Backlinks, Anfragen oder Käufe.
Am Ende bekommt jede Seite eine von vier Entscheidungen:
- Behalten: läuft gut, nicht anfassen.
- Überarbeiten: Thema stimmt, Inhalt ist veraltet oder zu dünn.
- Zusammenlegen: mehrere Seiten zum selben Thema werden eine, die alten leiten per 301 weiter.
- Entfernen: nicht mehr zu retten und ohne Nutzen für Besucher.
Was Google zum Aufräumen sagt
Hier kursieren viele Mythen. Google ist erstaunlich deutlich:
- Löschen ist der letzte Ausweg. So steht es wörtlich in Googles Hilfe zu Core Updates. Nach Verlusten soll man die Website ehrlich prüfen, gut laufende Inhalte aber nicht anfassen.
- Alter allein ist kein Grund. Googles Leitfaden für hilfreiche Inhalte nennt es ein Warnzeichen, viele ältere Inhalte vor allem deshalb zu löschen, weil man sich bessere Rankings erhofft.
- Nur das Datum zu ändern bringt nichts. Auch das nennt Google ein Warnzeichen, wenn sich der Inhalt nicht wesentlich ändert.
- Unhilfreiches kann den Gesamteindruck drücken. 2022 schrieb Google, das Entfernen unhilfreicher Inhalte könne den übrigen Seiten helfen. Seit März 2024 ist dieses System Teil der Core-Ranking-Systeme.
Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht: Unbrauchbares wegzunehmen kann helfen. Löschen als Trick für bessere Rankings bringt nichts. Verbessern geht vor. Und Geduld gehört dazu — laut Google kann es mehrere Monate dauern, bis sich Änderungen im Ranking zeigen.
Welche Zahlen du brauchst
Quelle
Was du dort holst
Search Console
Klicks, Impressionen, Position
GA4
Interaktion, Schlüsselereignisse
Ahrefs, SISTRIX
Backlinks, Rankings
Screaming Frog
alle URLs, Duplikate
Die Search Console speichert 16 Monate Daten — genug, um saisonale Schwankungen zu sehen und mit dem Vorjahr zu vergleichen. Der Screaming Frog SEO Spider crawlt in der kostenlosen Version bis zu 500 URLs; für viele KMU-Websites reicht das. Alles zusammen landet in einer Tabelle: eine Zeile pro URL, eine Spalte für die Entscheidung.
Beispiele aus der Praxis
Zwei Fälle, die zeigen, dass beide Wege funktionieren können — Aufräumen und Überarbeiten:
Case A · Aufräumen
B2B-Agentur Belkins, 2023
400
Seiten entfernt
3.000 → 10.000
Besuche / Monat
Rund zwei Drittel der Website in drei Monaten abgebaut
Von Ahrefs berichtet. Parallel wurde auch die Technik umgebaut — kein sauberer Beweis, dass das Löschen allein wirkte.
Case B · Überarbeiten
HubSpot-Blog, alte Artikel aktualisiert
+106 %
Aufrufe je Artikel
×2
Leads je Artikel
Leads aus überarbeiteten Artikeln mehr als verdoppelt
Ältere HubSpot-Auswertung aus der Zeit um 2014/15 — die Richtung ist bis heute ein Klassiker im Content-Marketing.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Nach Alter aussortieren
„Alles vor 2022 fliegt raus“ ist kein Audit, sondern ein Kahlschlag. Googles Search Liaison Danny Sullivan sagte 2023 sinngemäß: Dass Google alte Inhalte nicht mag, ist ein Mythos. Ein guter Ratgeber von 2019 kann heute noch deine beste Seite sein.
Fehler 2 · Nur auf Traffic schauen
Eine Seite mit 20 Besuchen im Monat kann die sein, die dein Vertrieb jedem Interessenten schickt — oder die mit den besten Backlinks. Prüf vor dem Löschen Backlinks, Anfragen und internen Nutzen.
Fehler 3 · Löschen statt zusammenlegen
Drei halbe Artikel zum selben Thema sind ein Fall fürs Zusammenlegen, nicht für den Papierkorb. Die besten Teile in eine Seite, die anderen per 301 dorthin weiterleiten. Google wertet die Weiterleitung als starkes Signal für die neue Adresse.
Fehler 4 · Panik nach dem Core Update
Rankings weg, also schnell 100 Seiten löschen? Google rät ausdrücklich von schnellen Notlösungen ab. Erst analysieren, welche Seiten wirklich verloren haben, dann gezielt verbessern.
So machst du dein erstes Content Audit
- Inventur: alle URLs crawlen und in eine Tabelle übernehmen.
- Zahlen dazu: Klicks und Impressionen der letzten zwölf Monate, Interaktion, Schlüsselereignisse, Backlinks.
- Bewerten: pro Seite eine der vier Entscheidungen.
- Nach Wirkung sortieren: zuerst Seiten mit vielen Impressionen und wenig Klicks — dort ist am schnellsten etwas zu holen.
- Umsetzen und messen: Änderungen mit Datum notieren und nach drei Monaten nachschauen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man ein Content Audit machen?
Eine offizielle Empfehlung gibt es nicht. Als Faustregel: ein großes Audit, wenn die Website über Jahre gewachsen ist, danach kleinere Runden etwa einmal im Jahr oder nach deutlichen Ranking-Verlusten.
Soll ich alte Blogartikel löschen, um besser zu ranken?
Nicht wegen ihres Alters. Google nennt Löschen den letzten Ausweg für Inhalte, die nicht zu retten sind. Überarbeiten oder Zusammenlegen ist fast immer besser.
Löschen, noindex oder weiterleiten?
Gibt es eine bessere Seite zum selben Thema, leite per 301 dorthin weiter. Braucht die Seite niemand in der Suche, aber deine Kunden schon, setz sie auf noindex. Ganz löschen nur, was niemandem mehr nützt.
Kann ich ein Content Audit kostenlos machen?
Ja. Search Console und GA4 sind kostenlos, Screaming Frog crawlt in der Gratisversion bis zu 500 URLs. Dazu eine Tabelle in Google Sheets oder Excel — mehr braucht es für kleine Websites nicht.
Wie lange dauert es, bis sich ein Audit auszahlt?
Laut Google kann es mehrere Monate dauern, bis die Systeme Änderungen erkennen und bestätigen. Rechne also nicht mit einem Sprung in der nächsten Woche.