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Bleistiftskizze: Gesichtslose Figur im Mantel am Tisch, gestrichelte Linien führen von Häusern und Handys zu orangen Ordnern, als Bild für Datenbroker
Tracking & Analytics

Datenbroker

Sie kennen dich, du kennst sie nicht: Datenbroker sammeln Daten über Menschen aus vielen Quellen und verkaufen sie weiter. Für Werbung sind sie bequem — rechtlich und moralisch oft ein Minenfeld.

Auch bekannt alsData BrokerDatenhändler

4 Min

Lesezeit

04.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist ein Datenbroker?

Du hast nie mit ihnen gesprochen, aber sie wissen, wo du wohnst, was du kaufst und ob du gerade ein Kind erwartest. Datenbroker sind Firmen, die Daten über Menschen aus vielen Quellen einsammeln, zu Profilen verdichten und an andere verkaufen.

Die US-Handelsbehörde FTC definiert sie als Unternehmen, die persönliche Informationen über Verbraucher sammeln und an andere weiterverkaufen oder weitergeben. Der Kern: Sie haben keine direkte Beziehung zu den Menschen, über die sie Daten handeln. Die FTC unterscheidet drei Produktarten:

  • Marketing: Zielgruppen und Adressen für Werbung.
  • Risikoprüfung: Identitätschecks und Betrugsvermeidung.
  • Personensuche: Dienste, mit denen man Informationen über andere findet.

Wie groß ist das Geschäft?

Schon 2014 hat die FTC neun Datenbroker untersucht. Einer davon hielt 1,4 Milliarden Verbrauchertransaktionen und über 700 Milliarden Datenelemente. Ein anderer hatte rund 3.000 Daten-Segmente zu fast jedem US-Verbraucher. Sieben der neun kauften sich gegenseitig Daten — für Verbraucher sei die Herkunft deshalb praktisch nicht nachzuvollziehen.

Fall A · Deutschland

Die Databroker Files 2024

3,6 Mrd.

Standortdaten

11 Mio.

Werbe-IDs

Als kostenlose Probe eines Datenhändlers

Recherche von netzpolitik.org und BR: zwei Monate Ende 2023, vermittelt über einen Berliner Datenmarktplatz. Darin auch Bewegungsprofile von Menschen, die offenbar in Ministerien und bei der Bundeswehr arbeiten.

Fall B · Werbung

Die Segment-Liste von Xandr

650.000

Zielgruppen-Segmente

93

Datenanbieter

Segmente bis hin zu „Depressions-Medikamente“

Veröffentlicht 2023 von The Markup, die Datei stammte aus der Werbeplattform von Microsoft und war von 2021.

Wie viele Datenbroker es gibt, weiß niemand genau. Einen Anhaltspunkt liefert Kalifornien, das ein Register führt: Im Juni 2026 waren dort 581 Datenbroker eingetragen, so viele wie nie seit Start des Registers 2020.

Wie Gesetzgeber reagieren

Am weitesten ist Kalifornien. Seit dem 1. Januar 2026 können Einwohner über die Plattform DROP mit einer einzigen Anfrage alle registrierten Datenbroker zum Löschen auffordern. Seit August 2026 müssen die Broker diese Anfragen mindestens alle 45 Tage abrufen und abarbeiten, sonst drohen 200 US-Dollar pro Tag und Anfrage. Gut fünf Monate nach dem Start hatten sich über 300.000 Menschen angemeldet.

In Deutschland bleiben dir die Rechte aus der DSGVO: Auskunft nach Art. 15 und Widerspruch gegen Direktwerbung einschließlich Profiling nach Art. 21. Gegen Briefwerbung hilft zusätzlich die Robinsonliste.

Was das für dein Marketing heißt

Gekaufte Zielgruppen und Adresslisten sind bequem. Aber sie sind ein Risiko — für deine Werbekonten und für deinen Ruf.

  • Plattform-Regeln: Beim Kundenabgleich in Google Ads darfst du nur Kundendaten hochladen, die du selbst erhoben hast. Gekaufte Listen sind dort verboten.
  • Herkunft unklar: Wenn schon Broker untereinander handeln, weißt du nicht, ob es je eine gültige Einwilligung gab.
  • Der Markt schrumpft: Oracle stieg 2024 aus dem Werbegeschäft aus, zu dem auch zugekaufte Datenhändler gehörten. Der Werbeumsatz war auf rund 300 Millionen US-Dollar gefallen.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Gekaufte Listen in Werbeplattformen hochladen

Google verbietet es ausdrücklich, und in Deutschland braucht Werbung per E-Mail oder Telefon zudem in der Regel eine Einwilligung. Eine gekaufte Liste bringt dir im besten Fall nichts und im schlimmsten Fall ein gesperrtes Konto.

Fehler 2 · „Öffentliche Daten darf ich frei nutzen“

Auch für Daten aus öffentlichen Quellen gilt die DSGVO. Nach Art. 14 musst du Betroffene spätestens innerhalb eines Monats informieren und die Quelle nennen.

Fehler 3 · Werbe-IDs für harmlos halten

Eine Werbe-ID klingt anonym. Die Databroker Files zeigen das Gegenteil: Aus Standortdaten mit Werbe-ID lassen sich Wohnort und Arbeitsplatz ablesen — und damit die Person.

Was tun?

  • Auf eigene Daten setzen: First-Party-Daten mit sauberer Einwilligung sind rechtlich sicherer und meist auch besser.
  • Datenquellen prüfen: Frag jeden Anbieter von Zielgruppen, woher die Daten stammen und auf welcher Rechtsgrundlage.
  • Apps und Partner kontrollieren: Welche SDKs in deiner App geben Standort oder Werbe-ID weiter?
  • Als Privatperson: Auskunft verlangen und der Werbung widersprechen — Musterschreiben gibt es bei Verbraucherzentralen.

Häufige Fragen

Sind Datenbroker in Deutschland legal?

Der Datenhandel ist nicht grundsätzlich verboten, unterliegt aber der DSGVO. Broker brauchen eine Rechtsgrundlage und müssen Betroffene nach Art. 14 informieren. Ob das in der Praxis eingehalten wird, bezweifeln Datenschützer oft. Das ist keine Rechtsberatung.

Darf ich als Unternehmen Daten von Datenbrokern kaufen?

Nur, wenn es für die Nutzung eine Rechtsgrundlage gibt — bei Werbe-Mails und Anrufen meist eine Einwilligung. Werbeplattformen wie Google erlauben beim Kundenabgleich ohnehin nur selbst erhobene Daten.

Woher haben Datenbroker meine Daten?

Aus vielen Quellen: Apps, die Standort und Werbe-ID weitergeben, Online-Shops, Umfragen, öffentliche Register und von anderen Datenbrokern. Laut FTC kaufen die meisten Broker ihre Daten überwiegend bei anderen Brokern.

Wie finde ich heraus, wer Daten über mich hat?

Du kannst bei Unternehmen nach Art. 15 DSGVO Auskunft verlangen. Schwierig ist, die richtigen Firmen zu kennen. In Kalifornien gibt es dafür ein öffentliches Register, in der EU nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Datenbroker und Data Management Platform?

Der Datenbroker ist der Händler, der Daten sammelt und verkauft. Die Data Management Platform ist die Technik, mit der Werbetreibende solche Daten zu Zielgruppen verarbeiten und ausspielen.

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