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Bleistiftskizze: Kauernde Figur auf einem Smartphone, umringt von orange hervorgehobenen Sprechblasen mit Kritzellinien, als Bild für Cybermobbing
Social Media

Cybermobbing

Beleidigen, bloßstellen, ausgrenzen, und das rund um die Uhr auf dem Handy. Cybermobbing trifft Schüler genauso wie Erwachsene im Job, und auch Unternehmen haben damit zu tun.

Auch bekannt alsCyber-MobbingInternetmobbing

6 Min

Lesezeit

03.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing ist Mobbing mit digitalen Mitteln. So einfach definiert es die EU-Initiative klicksafe. Das Bundesfamilienministerium beschreibt es als Angreifen von Menschen über digitale Kommunikation: durch Beschimpfungen, Drohungen, Bloßstellungen oder Belästigungen, in sozialen Netzwerken, Chats, Foren und Games.

Entscheidend ist die Wiederholung. Ein einzelner harter Kommentar ist noch kein Mobbing. Es geht um eine dauerhafte Schieflage, in der jemand über längere Zeit unter Druck steht und sich schlecht wehren kann.

Vom Mobbing auf dem Schulhof unterscheidet es sich vor allem so:

  • Kein Rückzugsort: Es geht rund um die Uhr, auch zu Hause.
  • Großes Publikum: Inhalte verbreiten sich schnell.
  • Lange Halbwertszeit: Einmal im Netz, bleibt vieles jahrelang auffindbar.
  • Späte Entdeckung: Eltern, Lehrkräfte und Vorgesetzte sehen es oft erst spät.

Wie viele sind betroffen?

Mehr, als die meisten denken, und die Zahl steigt. Die Studie Cyberlife VI vom Bündnis gegen Cybermobbing befragte 2026 rund 4.500 Schülerinnen und Schüler: 20,7 % der 7- bis 20-Jährigen waren nach eigenen Angaben schon mindestens einmal betroffen. 2017 waren es 12,7 %.

Die Kanäle überraschen viele: Vorne liegt nicht TikTok, sondern WhatsApp und andere Messenger mit 77 %. Das Mobbing sitzt also oft im Klassenchat. Dazu kommen TikTok mit 56 % und Snapchat mit 53 %.

Andere Studien messen anders. In der repräsentativen JIM-Studie 2025 gaben 9 % der 12- bis 19-Jährigen an, selbst schon online fertiggemacht worden zu sein. Das widerspricht sich nicht, Frage und Alter unterscheiden sich. Vergleiche solche Werte also nie direkt.

Schule

Schülerinnen und Schüler, 2026

20,7 %

schon betroffen

77 %

davon über Messenger

In über 90 % der Fälle hängt es mit der Schule zusammen

Mehr als zwei Drittel der Opfer kennen die Täter persönlich.

Job

Erwachsene von 18 bis 65, 2025

14,0 %

schon betroffen

25 %

davon im Arbeitsumfeld

Dort gehen 76 % der Angriffe von Gleichgestellten aus

2021 lag die Quote bei den Erwachsenen noch bei 11,5 %.

Die Folgen sind ernst. In Cyberlife VI berichtete rund ein Viertel der betroffenen Schüler von Suizidgedanken. Das Bündnis ist ein Verein mit eigenem Anliegen und arbeitet mit Selbstauskünften, die Größenordnung bleibt trotzdem alarmierend.

Cybermobbing, Hate Speech, Shitstorm

Begriff

Worum es geht

Cybermobbing

Wiederholte Angriffe auf eine Person

Hate Speech

Hass wegen einer Gruppenzugehörigkeit

Shitstorm

Empörungswelle, oft gegen Firmen

Trolling

Gezielte Provokation für Reaktionen

Cyberstalking

Wiederholtes Verfolgen einer Person

Ein Shitstorm ist für dein Unternehmen unangenehm, kann aber sachliche Kritik enthalten und ist nicht automatisch rechtswidrig. Cybermobbing läuft dagegen meist innerhalb einer bestehenden Beziehung, in der Klasse oder im Kollegenkreis.

Ist Cybermobbing strafbar?

Einen eigenen Straftatbestand gibt es in Deutschland nicht. Österreich hat mit § 107c StGB einen, bei uns greifen die einzelnen Handlungen:

  • §§ 185 und 186 StGB: Beleidigung und üble Nachrede, öffentlich begangen bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.
  • § 201a StGB: Verletzung durch Bildaufnahmen.
  • § 238 StGB: Nachstellung, auch mit Fake-Inhalten unter falschem Namen.
  • § 241 StGB: Bedrohung.
  • §§ 22 und 23 KUG: Recht am eigenen Bild.

Kinder unter 14 Jahren sind nach § 19 StGB schuldunfähig. Bei Schülern geht es deshalb oft nicht um Strafe, sondern um Schule und Eltern. Ein Gesetz gegen digitale Gewalt hat das Kabinett laut ZDF im Oktober 2026 beschlossen. Es ist noch nicht in Kraft.

Was heißt das für Unternehmen?

Als Arbeitgeber hast du eine Schutzpflicht. Nach § 12 AGG musst du Beschäftigte vor Benachteiligung schützen, wenn es um Merkmale wie Herkunft, Geschlecht oder Religion geht. Das schließt Vorbeugung und Maßnahmen wie Abmahnung oder Versetzung ein. Eine Social-Media-Richtlinie im Betrieb hilft, klare Grenzen zu ziehen.

Als Betreiber von Kanälen behältst du deine Kommentarspalten im Blick. Betreibst du eine eigene Kommentarfunktion oder ein Forum, gilt der Digital Services Act: kein Vorab-Prüfen, aber ein Meldeweg und Reaktion, sobald du Kenntnis hast. Das Bündnis unterstützt auch Vereine und Unternehmen bei der Vorbeugung.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Für anonym halten

Die meisten Opfer kennen die Täter: mehr als zwei Drittel der Schüler, bei Erwachsenen 84 % in irgendeiner Form. Das Problem sitzt also oft im eigenen Umfeld.

Fehler 2 · Beweise löschen

Klicksafe rät: erst mit Screenshots sichern, dann blockieren und melden, in schweren Fällen anzeigen. Wer sofort alles entfernt, steht später ohne Belege da.

Fehler 3 · Jede harte Kritik Mobbing nennen

Eine schlechte Bewertung oder ein böser Kommentar ist noch kein Cybermobbing. Kritik ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Wer den Begriff inflationär benutzt, schwächt ihn für echte Betroffene.

Fehler 4 · Abwarten, bis es vorbei ist

Es schaukelt sich online schnell hoch. Wer wegschaut, überlässt den Tätern das Feld. Sprich die Betroffenen an und hol dir früh Hilfe.

Häufige Fragen

Was tun, wenn ich betroffen bin?

Antworte nicht auf die Angriffe. Sichere Screenshots mit Datum, blockiere die Person und melde die Inhalte bei der Plattform. Sprich mit jemandem, dem du vertraust, und geh in schweren Fällen zur Polizei. Beratung gibt es bei der Nummer gegen Kummer und JUUUPORT.

Ist Cybermobbing strafbar?

Der Begriff selbst nicht, viele Handlungen dahinter schon, etwa Beleidigung, üble Nachrede, Bedrohung oder Nachstellung. Unter 14 Jahren ist niemand strafmündig.

Was muss ein Arbeitgeber tun?

Er muss Beschäftigte schützen und einschreiten, wenn er von Vorfällen erfährt. Das reicht vom Gespräch über die Abmahnung bis zur Versetzung. Für den Einzelfall hol dir arbeitsrechtlichen Rat.

Was ist der Unterschied zu Hate Speech?

Hate Speech zielt auf Menschen wegen ihrer Gruppenzugehörigkeit. Cybermobbing kann jede Person treffen und läuft meist über längere Zeit im persönlichen Umfeld.

Muss ich beleidigende Kommentare auf meiner Firmenseite löschen?

Sobald du von rechtswidrigen Inhalten weißt, solltest du handeln. Vorab musst du nicht alles lesen. Stell klare Regeln auf und sichere heikle Fälle mit einem Screenshot, bevor du löschst.

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